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Mehr Natur vernetzen: Gemeinde macht Tempo beim Biotopverbund

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01.04.2026

Heiligenberg möchte seine Naturflächen besser vernetzen und ist damit schon jetzt weiter als viele andere Regionen in Baden-Württemberg. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Hauptamtsleiterin Stefanie Göpfert den aktuellen Stand der Biotopverbundplanung vor. Dahinter steckt das Ziel, Lebensräume für Tiere und Pflanzen miteinander zu verbinden, damit Arten besser überleben können.

Die Grundlage dafür liefert das Land Baden-Württemberg. Es hat 2020 festgelegt, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 15 Prozent der Landesfläche Teil eines solchen Biotopverbunds sein sollen. Für die Kommunen bedeutet das, dass sie konkrete Pläne entwickeln und umsetzen müssen. Dass das kein Selbstläufer ist, machte Göpfert deutlich. Die groben Vorgaben aus dem Regionalplan reichten nicht aus, vieles müsse vor Ort genauer untersucht werden. Genau hier setze die gemeinsame Planung des Gemeindeverwaltungsverbands Salem, Frickingen und Heiligenberg an.

Wie diese Planung konkret aussieht, erklärte Jochen Kübler vom Planungsbüro 365 Grad. Sein Fazit fiel positiv aus: „Salem, Frickingen und Heiligenberg liegen gemeinsam schon weit über den 15 Prozent. Wir sind zuversichtlich, dass wir das bis 2030 hinbekommen werden.“ Tatsächlich kommt der Gemeindeverwaltungsverbund laut Kübler aktuell auf rund 25 Prozent vernetzte Flächen – der Landesdurchschnitt liegt bei 13 Prozent.

Planung mit gesetzlichem Auftrag

Seit 2020 sind die Kommunen in Baden-Württemberg verpflichtet, den Biotopverbund umzusetzen. Die groben Vorgaben kommen vom Regionalverband, doch sie reichen im Detail nicht aus. Viele wertvolle Flächen sind zu klein, um im Maßstab der Regionalplanung (1:50.000) erfasst zu werden. Deshalb braucht es die genauere Arbeit auf kommunaler Ebene. Hier setzt die gemeinsame Planung von Salem, Frickingen und Heiligenberg an. Organisiert wurde das Projekt frühzeitig – auch, weil geeignete Fachbüros stark ausgelastet sind. Den Zuschlag erhielt schließlich das Planungsbüro 365 Grad aus Überlingen. Die Kosten für die gesamte Planung liegen bei etwa 116.500 Euro. Ein Großteil davon wird gefördert: Das Land Baden-Württemberg übernimmt circa 90 Prozent über ein entsprechendes Programm. Zwischen Mitte 2024 und Mitte 2025 wurden dafür umfangreiche Datengrundlagen erhoben, Flächen begangen und kartiert. Das Ergebnis ist nun ein detaillierter Maßnahmenplan, der weit über die bisherigen regionalen Vorgaben hinausgeht und die Basis für konkrete Naturschutzmaßnahmen vor Ort bildet.

Doch was bedeutet das vor Ort? Jochen Kübler stellte mehrere „Maßnahmen-Steckbriefe“ vor. Dahinter verbergen sich detaillierte Vorschläge, wie einzelne Flächen in Heiligenberg ökologisch aufgewertet werden können. Insgesamt zehn solcher Steckbriefe wurden pro Gemeinde erarbeitet. Ein Beispiel für Heiligenberg: Südlich von Kirnbach könnte eine wertvolle Magerwiese aufgewertet werden und somit erhalten bleiben. Dafür müssten unter anderem Gehölze wie Nussbäume oder Fichten entfernt werden. Auch östlich von Oberboshasel könnte eine Maßnahme umgesetzt werden. Dort geht es um die Pflege eines Hangquellmoors, das regelmäßig gemäht werden müsste.

„Die Umsetzungen der Maßnahmen sind immer freiwillig“, betonte Kübler. Niemand werde verpflichtet, Flächen umzugestalten. Stattdessen setzt das Konzept auf Anreize, etwa durch Förderprogramme oder Ausgleichsmaßnahmen. Gerade dieser Punkt interessierte auch die Mitglieder des Gemeinderats. Michael Moser (CDU) fragte etwa, ob auch Menschen profitieren können, die ihre Flächen bereits pflegen. Jochen Kübler bestätigte das: „Ja, das kann man beim Landratsamt beantragen. Und das funktioniert auch als Privatperson, man muss dafür kein Landwirt sein.“

Auch Bürgerlisten-Rat Burkhard Haus hakte nach und wollte wissen, wo die Region im Vergleich zum Land genau steht. Kübler verwies noch einmal auf die Zahlen: Etwa 25 Prozent seien im Verbundgebiet bereits umgesetzt, gegenüber circa 13 Prozent landesweit.

Für Bürgermeister Denis Lehmann ist die aktuelle Planung ein Meilenstein. „Das war ein langer Weg, den wir bis hier hatten, und das ist jetzt das Resultat“, sagte er zufrieden. Ganz abgeschlossen ist das Projekt allerdings noch nicht. Nach der Vorstellung im Gemeinderat soll es zeitnah eine öffentliche Informationsveranstaltung geben. Erst danach wird die Planung endgültig beschlossen.

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© Südkurier