Trumps Krieg wird unkalkulierbar – und sehr teuer
In den amerikanischen Medien vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ehemalige Militärs und Sicherheitsberater den Verlauf des Iran-Kriegs deuten und über dessen Ausgang spekulieren. Berater aus der Ära von Barack Obama erzählen, wie Politiker Israels die USA zu einem gemeinsamen Angriff auf das Regime in Teheran drängen wollten, um die gewaltige Gefahr einer iranischen Atombombe und den Einfluss der menschenverachtenden Machthaber auf den Terrorismus in Nahost zu brechen.
Diverse US-Regierungen spielten einen Angriff auf Iran durch
Tatsächlich spielten diverse US-Regierungen – darunter auch die erste von Donald Trump – Militärschläge in allen theoretischen Varianten durch und ließen dann die Finger davon. Die Folgen für die notorische Konfliktregion schienen ebenso unkalkulierbar wie die Kosten für die USA und den Rest der Welt. Auch jetzt sollen die Militärs und Fachleute davon abgeraten haben, aus amerikanischer Perspektive dem Drängen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nachzugeben.
Aus israelischer Perspektive war der Angriff auf den Iran im ureigensten Interesse. Der Terrorangriff der vom Iran gestützten Hamas am 7. Oktober 2023 mit dem Massaker an über tausend Israelis war ein Wendepunkt der Weltgeschichte, der Israel auf schrecklichste Weise vor Augen geführt hat, wie sehr die Existenz des jüdischen Volkes auch 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gefährdet ist. Irans Atombombe zu verhindern und sein Terrorregime zu zerstören, erscheint als mehr als nachvollziehbare Strategie. Israel nimmt dafür einen hohen Preis für militärische und auch zivile Opfer in Kauf.
In den USA wächst Angst vor Inflation und Ausfall der Zinssenkung
Im Rest des Westens, aber auch bei den aufstrebenden Mächten in Asien blickt man dagegen auf die wirtschaftlichen Folgen, die ein Flächenbrand in Nahost hätte, den der Iran seit Kriegsbeginn anzuzünden versucht. Die hohen Spritpreise, die nicht nur Deutsche und Europäer derzeit beklagen, sondern auch die Amerikaner, sind erst die Vorboten unkalkulierbarer wirtschaftlicher Folgen, die ein langer Krieg bringen könnte.
In den USA ist bereits die von der Wirtschaft und vom US-Präsidenten ersehnte Zinssenkung in Gefahr. Infolge der hohen Rohölpreise wächst die Gefahr einer allgemeinen Inflation, die sich in den vergangenen Jahren nicht nur als schwere Bürde für Menschen mit niedrigeren Einkommen erwiesen hat, sondern auch als Nährboden für destruktiven Populismus.
Irans Regime reicht das bloße Überleben als Sieg über Trump
Obendrein fürchten die Europäer noch neue Flüchtlingskrisen. Die Amerikaner wiederum stehen vor immensen Rüstungsausgaben, um ihr Waffenarsenal wieder aufzufüllen und zu modernisieren: Trump hat bereits ins Spiel gebracht, den US-Verteidigungshaushalt um 600 Milliarden auf 1,5 Billionen Dollar aufzustocken – das ist eineinhalbmal so viel wie die gesamten deutschen Steuereinnahmen.
Noch teurer könnte die USA kommen, wenn sie das von Trump leichtfertig ausgegebene Kriegsziel eines Regimewechsels im Iran nicht erreichen. Zwar wird er selbst jedes Ergebnis des Krieges als einen großen Sieg verkaufen. Dem Regime in Teheran reicht es aber, wenn es den Krieg überleben sollte, um einen Sieg über den US-Präsidenten zu verkünden.
Israel hat unabhängig vom Kampf gegen das Atomprogramm schon jetzt als Erfolg sowohl seine abschreckende Stärke in Nahost bewiesen als auch den seine Nachbarn angreifenden Iran in der Golfregion noch mehr isoliert. Dem Rest der Welt bleibt nur, auf ein schnelles Kriegsende zu hoffen.
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