menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Der Tag, der die EU in ihren Grundfesten erschüttert hat

21 0
23.06.2026

Drei Briten wanderten kürzlich von London nach Brüssel. Zwei Wochen, 320 Kilometer und alles für ein Anliegen: Sie wollten für den Wiedereintritt des Vereinigten Königreichs in die EU werben. Am 5. Juni erreichte das Trio – begleitet von ein paar Dutzend später dazugestoßenen Mitstreitern in blau-gelber Montur – im typisch belgischen Regen den Place du Luxembourg. Sie schwenkten EU-Flaggen und den Union Jack, tanzten über den Platz vor dem Sitz des EU-Parlaments und übergaben ein Buch mit Hunderten von Botschaften „echter“ Briten von der Insel. Es waren Szenen wie aus einer anderen Zeit. Eine schwache Erinnerung an die aufwühlenden Jahre, als im Brüsseler Europaviertel Pro-EUler demonstrierten, als Mannekin Pis, das Brüsseler Wahrzeichen, als britischer Dandy verkleidet dahinpinkelte.

Mit dem Vereinigten Königreich ist zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Staat aus der Europäischen Union ausgeschieden. David McAllister erlebte den Volksentscheid am 23. Juni 2016 als Europaabgeordneter mit, ein Datum, das sich nun zum zehnten Mal jährt und das sich ihm „ins Gedächtnis eingebrannt hat“, wie es der niedersächsische CDU-Politiker nennt. „Das war schon eine echte Zäsur – für das Vereinigte Königreich, aber auch für die EU.“ Die Gemeinschaft verlor nicht nur ihr widerspenstigstes Mitglied, sondern auch eine ihrer größten Volkswirtschaften, eine bedeutende Atommacht, ein ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Sie verlor eine treibende Kraft in der Handelspolitik und ein Land, das den........

© Südkurier