„Es hat alles und doch nichts verändert!“ Der schwierige Weg aus der evangelikalen Glaubensgemeinschaft
Mit zwölf Jahren entdeckt Nadja die Musik von Queen für sich. Im Gegensatz zu anderen Jugendlichen in ihrem Alter darf sie die britische Rockband allerdings nicht anhören. Die heimlich gekaufte CD wird von ihrem Vater einkassiert und an die Gemeinde abgegeben. Denn seit ihrer Geburt ist die Schweizerin Mitglied der evangelischen Freikirche Chrischona, die heute unter dem Namen Viva Kirche auftritt und eine evangelikale Glaubenspraxis pflegt.
Doch damit ist die Sache für das Mädchen nicht erledigt. Sie muss sich in die Mitte eines Kreises setzen und wird mit ihren Verfehlungen konfrontiert – der Sänger sei schwul, und sie trage die Schuld, dass durch diese Musik der Teufel in die Gemeinde komme. Erst als Nadja zu weinen beginnt, hören die Vorhaltungen auf.
Die inzwischen 45-Jährige, deren Familiennamen wir hier nicht nennen, um sie zu schützen, stieg vor fast 30 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter aus der religiösen Gemeinschaft aus. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erzählt sie von ihren Erfahrungen in der Chrischona-Gemeinde, ihrem Ausstieg und den Folgen, die sie bis heute begleiten. Ein normales Leben zu führen, ist für sie noch immer eine Herausforderung.
Zentral in Nadjas Leben bis zu ihrem 16. Lebensjahr ist eine Abschottung von der Außenwelt. Diese sei stets als böse, als vom Teufel besessen dargestellt worden. „Ich durfte nichts. Es gab kein Radio, kein Fernsehen. Eigentlich war alles verboten, was nicht in der Gemeinde ist“, berichtet sie. In ihrem Leben drehte sich alles um Gott, Jesus und den........
