Burggeist Poppele begeistert das Publikum auf der Bühne im Hegau-Gymnasium
Dem Rampenlicht ist der Poppele bekanntlich nicht abgeneigt. Allerdings beschränkt sich die Bühnentätigkeit des Burggeistes in der Regel auf die Fasnachtszeit, zu deren Beginn er von den Singener Narren aus seiner finsteren Gruft auf dem Hohenkrähen gerufen wird. Dass er seinem Grabe, welches dem Poppele außerhalb der dritten Jahreszeit als Kommandozentrale für seine neckischen Streifzüge durch den Hegau dient, in diesem Jahr ein wenig länger als üblich fernblieb, lag zuallererst an den 40 Fünft- und Sechstklässlern der Musical-AG des Hegau-Gymnasiums: Vor insgesamt 2000 Zuschauern brachten sie die Aufführung des Stückes „Popolius“ im Verlauf der vergangenen Woche gleich sechsmal auf die Bühne ihrer Aula.
Idee maßgeblich von Musiklehrer Matthias Wodsak
Die Idee, dem Poppele ein Musical zu widmen, stammt maßgeblich von ihrem Musiklehrer Matthias Wodsak. Er komponierte insgesamt elf Stücke, zu denen er gemeinsam mit Stefan Glunk und Luisa Koehler eine Reihe gewitzter Texte schrieb. Regie führte er gemeinsam mit Katja Rothfelder, mit der er die Musical-AG seit drei Jahren anleitet. Dass an der finalen Umsetzung des Musicals noch zahlreiche weitere Schüler, Lehrer und außerschulische Helfer beteiligt waren, zeigte sich schon am opulent ausgestalteten Bühnenbild. Meterhohe, von Efeu berankte Burgmauern ragten vor dem Publikum auf und ließen erahnen, wo der erste Akt des Stückes angesiedelt sein sollte: auf der Trutzburg des Burggeists selbst, dem verwunschenen Hohenkrähen. Hier begleitete man zunächst eine Schulklasse bei einem in der Gegenwart angesiedelten Ausflug mit ihrem „Lehrer Müller“, der wie übrigens jede Rolle, von einem Unterstufenschüler gespielt wurde. Da die Klasse ganz in einem dem Krähen und seinem ehemaligen Burgvogt Popolius gewidmetem Wanderlied vertieft ist, fällt nicht auf, dass Lisa und Alex zurückbleiben.
Leitfigur der Zunft und Schirmherr der Singener Fasnet ist der Poppele, jene Gestalt, die an den historisch belegbaren Popolius Mayer von der Burg Hohenkrähen erinnert. Dieser lebte im 15. Jahrhundert und muss laut Zunft-Chronik ein Schalk und Tunichtgut gewesen sein, sodass er in den Poppele-Sagen weiterlebte. (hds)
Verzaubert vom mystischen Gemäuer werden die beiden plötzlich von einem lauten Knall überrascht – auf einem Turm hinter ihnen huscht niemand anderes als der leibhaftige Poppele vorbei. Obwohl Alex mulmig zumute ist, gelingt es Lisa, ihn dazu zu überreden, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch gerade, als sie sich in Richtung des Turmes aufmachen wollen, hören sie das sich nähernde Getrappel eines Pferdegespanns, worauf sie sich im Gebüsch verstecken. Sie staunen nicht schlecht, als eine Kutsche an ihnen vorbeifährt, in der neben dem Fuhrmann eine Nonne und ein Mönch sitzen.
Ob der Poppele alias „Popolius“ Lisa und Alex in die Vergangenheit gehext hat oder ob es sich bei der herannahenden Reisetruppe um Trugbilder – wenn nicht sogar Geister handelte – blieb der Fantasie des Publikums überlassen. Jedenfalls entfaltete sich nun vor den Augen der Zuschauer – wie vor denen von Lisa und Alex – eine ebenso musikalisch wie schauspielerisch beschwingte Handlung, die aus einer kreativen Zusammenführung mehrerer Sagen vom alten „Popolius von Krähen“ bestand. Diese hier ganz aufzudröseln, würde angesichts des über zwanzig Seiten langen Skripts den Rahmen sprengen. So viel sei jedoch verraten; der Konflikt des Popolius mit eben jenem Mönch bildete den Mittelpunkt der Geschichte.
Höhepunkt ist das „Kerker-Lied“
Nachdem die Reisetruppe angesichts der heraufziehenden Dunkelheit vom als Burgvogt waltenden Poppele zur Nachtruhe auf dem Krähen eingeladen wird, erzürnt der Mönch den ausgesprochen geizigen Gastgeber während des Abendessens durch seinen großen Durst und eine Anspielung auf die klapprige Statur des Burgvogts, woraufhin der Ordensmann in den Kerker geworfen wird. Dort zeigt sich, dass dieser bis oben hin mit Untergebenen gefüllt ist, welche nur wegen kleinster Vergehen den Zorn des Vogts auf sich gezogen haben. Zum Höhepunkt des Abends avancierte sicherlich das „Kerker-Lied“, in dem die Häftlinge mit nach unten verzogener Miene traurig hinter den Gittertüren hin und her schunkelnd, den jeweiligen Grund ihrer Verhaftung darlegten: „Ein jeder von uns hier, der weint laut und plärrt, Popolius hat uns hier eingesperrt“.
Doch es sollte der Nonne und dem Kutscher gelingen, ihren Mönch gemeinsam mit den anderen Häftlingen zu befreien – die Wachen verschlafen aufgrund des vorabendlichen Gelages den ganzen Morgen und merken nicht, wie ihnen der Schlüssel entwendet wird. Zu guter Letzt gelingt es der Truppe sogar, den Hegau endgültig von der grausamen Herrschaft des „Popolius“ zu erlösen. Damit wird auch der Zauberbann gebrochen, unter dem Lisa und Alex standen, sodass sie wohlbehalten von ihrer Klasse wiedergefunden werden.
Spaß der Darsteller ansteckend
Der Spaß, den die jungen Musicaldarsteller beim Singen und Schauspielen hatten, war hochansteckend. Hervorzuheben ist daneben auch die tolle Dynamik, welche zwischen der vorwiegend aus erfahrenen Big-Band-Musikern bestehenden Musical-Band und den Darstellern entstand, sowie die atmosphärische Bühnenausleuchtung und witzigen Soundeffekte, für welche die Technik-AG unter der Leitung von Clemens Nitschke verantwortlich war. Dass die jüngsten Schülerinnen und Schüler des Hegaus so früh die Möglichkeit bekommen, an einem saalfüllenden Kreativprojekt teilzuhaben, während sie gleichzeitig weitere beteiligte AGs kennenlernen, ist bemerkenswert. Man darf davon ausgehen, dass sowohl die mit ausgiebigem Applaus gefeierten Darsteller als auch die vielen Freunde und Verwandten im Publikum die großartigen Aufführungen in schöner Erinnerung behalten werden.
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