Gewerbeflächen in Gottmadingen sind rar: Das ist die Strategie der Gemeinde
Die Zeiten sind herausfordernd für die Wirtschaft: Corona, Ukrainekrieg, Trump-Zölle, Irankrieg und Energiekrise. „Das Chaos in der Weltpolitik schlägt mittlerweile bis auf die kommunale Ebene durch“, sagt Thomas Schleicher. Der Wirtschaftsförderer der Gemeinde muss es wissen. Kaum jemand kennt die Lage in Gottmadingen besser.
„Vom großen Automobilzulieferer bis zum kleinsten Mittelständler ist hier fast jeder Betrieb betroffen“, sagt er und meint damit die Energiekosten, die Konkurrenz aus Asien und die Probleme mit den Lieferketten. Und trotzdem will Thomas Schleicher nicht in Pessimismus verfallen.
Leere Fabrikhallen ziehen Glücksfall an
Seit 2006 ist der Grundstücksmanager der Gemeinde auch als Wirtschaftsförderer tätig. „Eine gute Kombination“, wie er sagt, „weil ansiedlungswillige Unternehmer zunächst mal nach Grundstücken fragen.“ Als er die neue Aufgabe übernahm, war Gottmadingens Wirtschaft durch den Abzug des Landmaschinenherstellers Kverneland schwer gebeutelt. Zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren und große Fabrikhallen standen leer.
„Wirtschaftsförderung ist immer eine Herausforderung“, sagt Thomas Schleicher. „Sorgen macht man sich ständig, auch in guten Jahren.“ Und offenbar gehört zu einer guten Planung auch immer eine gewisse Portion Glück. Die Drei R Immobilien GmbH der Familie Repnik sah in dem Gelände großes Potenzial und stieg dort ein.
„Als sehr gute Vermieter stimmen sie sich bei geplanten Firmenansiedlungen immer mit der Gemeinde ab“, erklärt Schleicher. „So ist ein bunter Mix an Branchen entstanden.“ Mit dem Rückzug von Kverneland seien damals 250 Arbeitsplätze verloren gegangen. Heute liege die Zahl der Beschäftigten bei über 600. Das zeugt von guten Jahren. „Für die Gemeinde war der Einstieg von Drei R ein absoluter Glücksfall“, sagt der Wirtschaftsförderer heute. Der Altbestand werde ständig saniert und an die Bedürfnisse neuer Firmen angepasst.
Die Flächen sind sehr kostbar
Insgesamt verfügt Gottmadingen über vier Gewerbegebiete: den Industriepark, Gewerbestraße, Goldbühl und das Schweizer Tor in Bietingen. Außer im Gebiet Schweizer Tor und einer Reservefläche beim Industriepark gibt es kaum noch freie Grundstücke für Neuansiedlungen. Und weil die Flächen so kostbar sind, haben sich Gemeinderat und Bürgermeister Michael Klinger ganz klar für einen ressourcenschonenden Umgang entschieden.
Gewinner dieser Strategie sind Unternehmen wie Green Places, die am Schweizer Tor einen Gewerbestandort mit zahlreichen Einheiten gebaut haben. Dort können sich kleinere Betriebe einmieten und gemeinsam die angebotene Infrastruktur nutzen. Vom Handwerksbetrieb bis zum Planungsbüro sei dort alles möglich. „Wir beobachten, wie dort langsam aber sicher etwas entsteht“, sagt Thomas Schleicher.
Nur bestimmte Betriebe sind erwünscht
Die unsichere politische Lage habe aber zu einer gewissen Zurückhaltung von Gründern geführt. Am Schweizer Tor stehen laut Schleicher noch 22.000 Quadratmeter Gewerbefläche zur Verfügung. Es habe Anfragen von Logistik-Unternehmen gegeben, die dort aber ausgeschlossen seien. „Wir wollen dort nachhaltig ansiedeln“, sagt er. Im Klartext heißt das, dass man dort nur Betriebe haben möchte, die auch Arbeitsplätze schaffen.
Bei Transportunternehmen sei das weniger der Fall. Außerdem möchte man die Verkehrsprobleme der LKW kurz vor dem Bietinger Zoll nicht verschärfen. Auch für Storage-Betriebe, die Lagerflächen oder Stellplätze für Wohnwagen oder Yachten vermieten, seien die Gewerbeflächen zu wertvoll.
Schnelle Wechsel und Flexibilität
Aber was ist dran an der Aussage, dass in ganz Gottmadingen keine Flächen mehr zur Verfügung stehen? Ein Blick auf die Online-Plattform Immowelt ergibt, dass angeblich elf Hallen und Industrieflächen verfügbar seien. Thomas Schleicher erklärt das mit schnellen Wechseln, die nicht über die Leerstandsbörse der Gemeinde vermittelt werden.
Manche Vermieter legten sich nur für kürzere Zeiträume fest und böten dann ihre Flächen über die Online-Plattform neu an. Damit werde ein größeres Klientel angesprochen. Flexibilität gehöre eben auch dazu.
Die Gemeinde Gottmadingen ist mittlerweile auf rund 11.000 Einwohner angewachsen. Das Dorf hat sich durch die ehemalige Landmaschinenfabrik Fahr zum Industrie- und Gewerbestandort entwickelt. In den vier Gebieten Industriepark, Goldbühl, Gewerbestraße und Schweizer Tor (Bietingen) befinden sich 46 Industrie- und Gewerbebetriebe, 149 Handwerksbetriebe, 102 Handelsunternehmen und 310 Dienstleistungsbetriebe. Ende 2024 (das sind die aktuellsten Zahlen) pendelten 2482 Beschäftigte nach Gottmadingen. 3369 Arbeitnehmer waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Rund 4000 Gottmadinger waren auch im Ort beschäftigt. (gtr)
Während deutsche Wirtschaftswissenschaftler vor einer Stagflation (einer Kombination aus Stagnation und Inflation) warnen, wird auch in Gottmadingen Zurückhaltung spürbar. Für Thomas Schleicher ist das kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. „Wir müssen weiter aktiv sein und vorausschauend denken“, sagt der bekennende Optimist.
Er verweist auf zeitraubende Bebauungsplanverfahren. Die brauchen zum Teil Jahre. „Wir dürfen nichts verschlafen, sondern müssen gerüstet sein, wenn die Konjunktur wieder anzieht.“
Lebensqualität wirkt sich auf die Arbeit aus
Das Gebiet Goldbühl und Gewerbestraße seien ausgebucht. Dort befinden sich alt eingesessene, gut gehende Betriebe: Handwerker und Mittelständler aus allen Branchen. Allenfalls kleinere private Flächen könnten sich dort auftun. Die möchte die Gemeinde gerne erwerben.
Damit wolle man ortsansässigen Betrieben Erweiterungsmöglichkeiten anbieten. Auch wenn die Kommune nicht direkt in die Wirtschaft eingreifen könne, so wolle sie die heimischen Betriebe nach besten Kräften unterstützen. Gottmadingen müsse als attraktiver Industrie- und Gewerbestandort erhalten bleiben.
Dazu gehören für den Wirtschaftsförderer aber auch noch andere Faktoren wie ein gutes Wohnumfeld mit Kindergärten und Schulen. „Nur wer gut lebt, kann auch gut arbeiten“, sagt Thomas Schleicher.
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