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Abschied von Batic und Leitmayr: Letzte Tatort-Folge „Unvergänglich“ ist ein Fest für Fans

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03.04.2026

Jetzt ist es also soweit: Zeit zum Abschiednehmen. Noch einmal kann man die Münchner Rekord-Ermittler in Aktion sehen – auch in „action“, wenn sie schnellen Schrittes und zu dynamisch schrägen Kameraeinstellungen Flure durchmessen. Noch einmal darf man ihnen dabei zuschauen, wie sie granteln, dass es eine Art hat. Die „jungen Wilden“ von einst sind zu Rentnercops geworden und zu „Tatort“-Legenden. Nach 35 Dienstjahren und 100 Folgen – die letzte Doppelfolge „Unvergänglich“ wird am 5. und 6. April gezeigt (Ostersonntag und Ostermontag, jeweils 20.15 Uhr, ARD) – ist nun Schluss. Mit Schuss?

Das ist die große Frage, über die selbst Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) in „Unvergänglich“ witzeln. „Denk dran, nicht erschießen lassen!“, sagt der Ivo zum Franz. Und sie sagen sich andere Nettigkeiten, ruhestandsbezogene. Man verspricht sich, in Kontakt zu bleiben. Er habe stets einen Kaffee für ihn, sagt der Franz zum Ivo, auf seinem Balkon, den er zur „grünen Oase“ machen wolle. Vorher aber haben sie noch vier Tage, über die wiederum der Ivo sagt: „Wir arbeiten bis zum Schluss, und wenn dann Schluss ist, dann ist Schluss.“

„Denk dran, nicht erschießen lassen!“, sagt der Ivo zum Franz

Was der „Tatort“-Kritiker über den Schluss sagen kann, ist, dass er's nicht mit Gewissheit sagen kann. Weil: Er durfte zwar den „Tatort“ vorab sehen, die entscheidenden Schlussminuten enthielt ihm der BR jedoch vor und blendete an der Stelle, an der es besonders dramatisch wurde, auf schwarzem Hintergrund die weißen Buchstaben ein: „Die Auflösung folgt am 6. April 2026“.

Nemec und Wachtveitl hatten, das zur Beruhigung, vor Jahren schon allerlei Gedanken über ihren Abgang angestellt. Dabei waren sie immer geradeheraus – wie immer. Fast genau zehn Jahre ist's her, als Wachtveitl unserer Redaktion sagte: „Es darf kein trübsinniges Ende geben. Das passt nicht zu uns.“ Deswegen habe man den Carlo Menzinger ja auch nicht in den blutigen Tod verabschiedet, sondern in den sonnenbeschienenen Reichtum.

Sonne mag Batic ebenfalls, wenngleich er die kroatische der thailändischen vorzieht. „Einfach schön leben“ wolle er, mit Meerblick und, wer weiß, mit neuem Liebesglück. Leitmayr dagegen plant, an der Polizeihochschule zu unterrichten. Allerdings lässt sie ihr letzter Fall nicht los: In den Eingeweiden Münchens, tief drunten im U-Bahnhof St.-Quirin-Platz, drapierte ein Unbekannter eine verbrannte Leiche, die eine Schusswunde aufweist. Die Anfangsszenen haben etwas von einem Thriller, etwas Theatralisches – die Bühne ist bereitet. Später wird das SEK zu sehen sein, ein kaltblütiger Killer, Gangster, Drogen, Tote. Vor allem: ein ungewöhnliches und verdächtiges Paar (eindringlich: Lara Feith als Kara Roth). Batic und Leitmayr jagen einem Phantom hinterher, das sich Zugang zu unvermieteten Wohnungen im Stadtgebiet verschafft.

Letzter „Tatort“ mit Batic und Leitmayr: Wiedersehen mit alten und weniger alten Bekannten

An Drama sparen Sven Bohse (Regie), Johanna Thalmann und Moritz Binder (Drehbuch) nicht, zugleich darf es menscheln. In weiten Teilen ist die Doppelfolge Kumpel-Komödie und Freundschafts-Film. Es gibt ein Wiedersehen mit alten und weniger alten Bekannten, mit Mensch (unter anderem Fallanalytikerin Christine Lerch, gespielt von Lisa Wagner) und Tier (Ludwig, der Dackel vom Hackl) und Ding (Leitmayrs roter Porsche). Und es gibt eine Reihe von Gaststars, darunter Maxi Schafroth, Gerhard Wittmann und Schmidt Max. Da ist die Handlung ausnahmsweise nicht ganz so wichtig. Ob Batic und Leitmayr unvergänglich sind, weiß allein die Zukunft. „Unvergänglich“ ist, das weiß der „Tatort“-Kritiker, das würdige Ende einer Ära.

Wer in Erinnerungen schwelgen möchte: Am Ostermontag zeigt das Erste um 21.45 Uhr die empfehlenswerte Doku „Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus“.

Daniel Wirsching Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Ivo Batic Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Udo Wachtveitl Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier