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Fall Collien Fernandes: So können sich Betroffene gegen manipulierte Fotos und Videos wehren

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23.03.2026

Bilder von sich, die plötzlich im Netz auftauchen. Profile, die den eigenen Namen tragen. Aber nichts davon hat man selbst veröffentlicht. Sie sind gefälscht. Der Fall der Schauspielerin Collien Fernandes hat das Thema digitale Gewalt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Und aufgezeigt, zu welch psychischer Belastung solche Taten führen können. Es gibt Wege, dagegen vorzugehen.

Wie Betroffene merken, ob Bilder von ihnen im Netz sind

Betroffene stoßen auf unterschiedliche Weise auf Inhalte, von denen sie nichts wussten. Mal sind es gefälschte Profile und Nachrichten, die von ihnen stammen sollen. Oder Bilder und Videos, die auf Plattformen kursieren, auf denen sie selbst nie aktiv waren. In anderen Fällen taucht das Material über Suchmaschinen auf – oder wird direkt weitergeschickt.

Nicht immer sind es Betroffene selbst, die derartige Inhalte zuerst entdecken. Häufig kommen Hinweise von außen. Denn Unbeteiligte wissen oft nicht, ob ein Bild echt oder manipuliert ist. Auch Collien Fernandes hatte offenbar lange Zeit keinerlei Kenntnis von ihren Fake-Profilen, bis sie darauf angesprochen wurde. Wer herausfinden möchte, ob Bilder oder Videos von sich im Umlauf sind, kann selbst aktiv werden.

So finden Betroffene Bilder von sich im Internet

Eine Möglichkeit ist die Rückwärtssuche über Bilderdienste wie Google. Dabei wird ein eigenes Foto hochgeladen, um ähnliche oder identische Aufnahmen im Netz zu finden. Auch sogenannte Suchmaschinen-Alerts, etwa über „Google Alerts“, können helfen, den eigenen Namen im Blick zu behalten. Nutzerinnen und Nutzer können dort ihren Namen eingeben und werden benachrichtigt, wenn neue Inhalte im Netz auftauchen.

Mit Programmen wie „TinEye“ oder „Lenso.ai“ lässt sich das Netz ebenfalls durchforsten. Einen anderen Ansatz verfolgt das Tool „StopNCII“: Es sucht nicht aktiv nach Bildern, sondern arbeitet mit digitalen Fingerabdrücken (“Hash“). Dabei wird ein Code erstellt, den Plattformen erkennen und Beiträge löschen oder blockieren können. Das funktioniert nur auf Plattformen, die mit dem System zusammenarbeiten.

Was Betroffene tun können

Zunächst gilt: Ruhe bewahren, sich nicht schämen und Unterstützung suchen. Das kann im persönlichen Umfeld sein oder bei Beratungs- und Meldestellen. In Deutschland gibt es etwa die bundesweite Plattform „REspect! im Netz“, die mit dem Freistaat Bayern kooperiert. Die Beratungsstelle und gemeinnützige Organisation „HateAid“ unterstützt dabei, Beiträge zu melden und Ansprüche durchzusetzen. Hilfe bieten auch Frauenberatungsstellen oder Frauennotrufe.

Auch eine Anzeige bei der Polizei kann sinnvoll sein. Wichtig ist, Beweise zu sichern, etwa durch Dokumentation und Screenshots. Dabei sollten nicht nur die Bilder und Videos gesichert werden, sondern auch die URL sowie das Profil der mutmaßlichen Täterin oder des mutmaßlichen Täters. Bei kinder- oder jugendpornografischen Inhalten sollten keine Screenshots erstellt werden, stattdessen ist direkt die Polizei zu informieren. Denn bereits der Besitz kann strafbar sein. Und wie lassen sich solche Bilder oder Videos wieder aus dem Netz entfernen?

Löschen, melden, anzeigen: Was rechtlich möglich ist

Um derartige Inhalte zu löschen, sollten diese zunächst direkt bei den Plattformen gemeldet werden. Viele Anbieter haben dafür eigene Formulare. Auch bei Suchmaschinen wie Google kann beantragt werden, entsprechende Links zu entfernen. Reagieren Dienste nicht, können rechtliche Schritte helfen, etwa Unterlassungsaufforderungen. Dabei spielt es auch eine Rolle, um welche Art von Inhalten es geht: Werden echte intime Aufnahmen ohne Einwilligung verbreitet, greifen bestehende Gesetze eher. Bei manipulierten Inhalten wie Deepfakes ist die Rechtslage dagegen oft noch unklar.

Beratungsstellen wie HateAid sehen hier eine Lücke: „Die bestehenden Gesetze sind nicht auf sexualisierte Deepfakes zugeschnitten. Das eigentliche Unrecht – die Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung – wird bislang nicht ausreichend erfasst.“ In der Politik wird darüber diskutiert, die Regeln im Umgang mit Deepfakes zu verschärfen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte ein Maßnahmenpaket an.

Eine Anzeige ist möglich, etwa bei der Verbreitung echter intimer Bilder ohne Einwilligung oder bei Identitätsmissbrauch, etwa durch Fake-Profile. In der Praxis gestaltet es sich oft als schwierig, Tätern auf die Schliche zu kommen, weil sie aus der Anonymität heraus agieren oder weil es sich um Plattformen im Ausland handelt. In vielen Fällen lässt sich die Verbreitung nicht vollständig stoppen. Trotzdem kann es wichtig sein, sich zu wehren und Anzeige zu erstatten – auch, weil jede Meldung dazu beiträgt, das Ausmaß sichtbar zu machen.

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