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Aus für die Naturbad-Pläne: Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist eindeutig

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Naturbad oder konventionelle Sanierung? Das war die Frage, über die in Schopfheim monatelang gestritten wurde. Die Wogen schlugen hoch. Vor allem zu Beginn im Juli vergangenen Jahres, als im Gemeinderat eine Mehrheit aus Freien Wählern, SPD und Grünen für den Vorschlag der Stadtverwaltung stimmte, das sanierungsbedürftige Schopfheimer Freibad im Oberfeld nicht einfach auf Vordermann zu bringen, sondern zu einem Naturbad umzubauen. Nur die CDU votierte dagegen. Bürger fühlten sich übergangen, die IG „Sport- und Familienbad“ gründete sich, die seitdem gegen ein Naturbad und für eine Sanierung auf herkömmlicher Technikbasis (Chlor) kämpft. Sie sammelte erfolgreich Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Die Mehrheit des Gemeinderats hielt aber am Beschluss vom Juli fest.

So stimmten die Bürger ab

So kam es am 8. März zum Bürgerentscheid. Die Fragestellung lautete: „Sind Sie dafür, dass die Gesamtsanierung des Schwimmbades Schopfheim als konventionelles (chemisch-technisches) Bad, aus Kostengründen eventuell verkleinert auf 1000 Quadratmeter Wasserfläche, und nicht als Naturbad geplant wird?“ Wer ein Naturbad wollte, musste sein Kreuz bei „Nein“ setzen. Wer „Ja“ ankreuzte, stimmte für eine Sanierung in bisheriger Form – und das mit einer sehr deutlichen Mehrheit. Als kurz nach 19 Uhr aus Gersbach das erste Ergebnis eintraf, war noch offen, ob das Abstimmungsverhalten für die Gesamtstadt aussagekräftig ist – 191 Gersbacher votierten für „Ja“, also für eine konventionelle Sanierung, 72 mit „Nein“, also für ein Naturbad. Doch tatsächlich war damit ein Trend gesetzt, der sich im weiteren Verlauf auch nicht mehr umkehrte.

Mit jedem weiteren Ergebnis aus den 27 Wahlbezirken verfestigte sich aber das Bild: Das Naturbad ging an der Wahlurne am Sonntag unter. Am Ende steht ein klares Resultat: 5944 Stimmen für eine konventionelle Sanierung (64,7¦Prozent) gegenüber 3236 Kreuzchen (35,3 Prozent) für ein Naturbad. Damit gibt es nicht nur eine glasklare Mehrheit. Auch ist damit die zweite Hürde übersprungen worden, die es speziell beim Bürgerentscheid gibt: Um wirklich zu gewinnen, benötigte der Sieger mindestens 3094 Stimmen (20 Prozent der Wahlberechtigten).

So reagiert der Bürgermeister auf das Ergebnis

Die ersten Reaktionen am Sonntagabend waren eindeutig. Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher nahm das vorläufige Ergebnis des Bürgerentscheids sportlich: „Die Bürger haben entschieden, das war wichtig. Jetzt werden wir alles tun, um das Freibad als technisches Bad ordentlich und gut zu sanieren. Es war ganz wichtig, Klarheit zu haben.“ Deshalb sei es auch wichtig gewesen, den Entscheid am Tag der Landtagswahl durchzuführen, damit die Wahlbeteiligung möglichst hoch ist. „Wir wollten da nicht taktieren“, so Harscher. Nun sollen die nächsten Schritte mit großer Offenheit geschehen; die Bürger sollen „an der Ausgestaltung des Bads beteiligt werden“, kündigte Harscher an. Dies sei auch als Reaktion auf die anhaltende Kritik an Stadt und Gemeinderat zu verstehen, die das Naturbad-Projekt im vergangenen Sommer in den Augen vieler zu überfallartig lanciert hatten. „Rückblickend würde man manche Dinge anders machen“, so Harscher, der nun aber nach vorne schauen möchte. „Von unserer Seite her wird die Emotionalität, die zuletzt zu spüren war, auf null heruntergefahren“, so der Bürgermeister, der bis zuletzt mit großem Engagement für ein Naturbad geworben hatte.

Was die IG nun vorhat

Ob die von den Naturbad-Befürwortern als Szenario für die nun beschlossene technische Variante ins Feld geführte Verkleinerung der Wasserfläche auch so kommt, ließ Harscher offen. „Es ist wichtig, dass wir ein Bad bekommen, das alle zufriedenstellt – auch diejenigen, die bei uns Sport betreiben“, so Harscher mit Blick auf DLRG und Triathleten. Es müsse, wenn möglich, „mehrere anständige 50-Meter-Bahnen geben“. Wie sich das gestalten lasse, müsse nun die Zukunft zeigen.

„Wir freuen uns sehr. Ich bin natürlich zutiefst erleichtert über das Ergebnis“: Mit diesen Worten kommentierte Maria Brokatzky von der IG Sport- und Familienbad das Ergebnis. „Wir haben mit Leidenschaft gekämpft, das ist für uns ein ganz großer Moment. Die Mehrheit der Schopfheimer Bürgerinnen und Bürger hat heute ein unmissverständliches Signal gesendet: Sie möchten ihr Sport- und Familienbad behalten – verlässlich, hygienisch und sicher für alle Generationen.“ Die IG verstehe diese Ergebnisse jetzt „als klaren Auftrag an Bürgermeister Harscher. Er hat zugesagt, sich mit Herzblut an die Umsetzung zu machen.“ Brokatzky reicht der Stadtverwaltung die Hand: „Wir als IG würden diesen Prozess gerne eng und verantwortungsvoll mit begleiten.“ Sie kündigte an: „Wir bleiben am Ball, sozusagen am Wasserball.“

André Hönig und Nicolai Kapitz Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

79650 Schopfheim Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Naturbad Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


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