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Wie man einem Ausserirdischen die Welt erklärt – beziehungsweise das Gäu

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10.03.2026

Stellen wir uns vor, es gäbe Mike. Mike ist ein Ausserirdischer und frisch eingezogen. Mike ist Familienvater und trägt Caps verkehrt herum. So wie es sich als Ausserirdischer gehört. Und manchmal trägt er auch ein Basketball-Shirt, obwohl er wohl noch nie einen Basketball in der Hand hatte.

Mike wollte wissen, wo ich denn herkomme. Und aus nachvollziehbaren Gründen sagte ich ihm einfach mal: «Aus der Schweiz», obwohl ich zuerst sagen wollte: Nun, von der Erde. Doch selbst die Antwort Schweiz schien Mike nicht zu reichen, weil er ein gutes Ohr hatte und genau hörte: Der kommt vielleicht aus der Schweiz, aber der spricht ja ganz anders als die anderen hier.

Kolumnist Philipp Felber-Eisele versucht, seine Herkunft zu erklären.

Also fragte er nach: «Du kommst nicht wirklich aus Basel, oder?»

«Nein», sagte ich ihm, «ich komme aus Olten.» Darum bemüht, eine Stadt zu nennen, die er vielleicht kennt.

Er sagte, dass er mir das nicht glaube, er kenne ja Leute aus Olten, und auch die sprechen anders. Ein feines Gehör hatte der Herr Ausserirdische, also rückte ich raus: «Ich komme aus dem Gäu», sagte ich.

Blick über die Gäuebene mit der Autobahn.

«Das Gäu?», fragte er. «Was ist das Gäu?»

Das Gäu, erklärte ich, das Gäu ist ein Bezirk im Kanton Solothurn und umfasst heute die Gemeinden Egerkingen, Neuendorf, Oensingen, Niederbuchsiten, Oberbuchsiten, Kestenholz und Wolfwil.

«Ok, interessant», sagte der Ausserirdische, «warum betonst du, dass das Gäu heute diese Gemeinden umfasst? Und warum gehört zum Beispiel Fulenbach nicht dazu?»

«Einfach! Fulenbach gehört zu Olten.»

«Aber Fulenbach liegt doch gleich neben Wolfwil und ist ja quasi dasselbe.»

«Psst», sagte ich, «nicht laut sagen. Ich habe nie gesagt, dass das alles Sinn macht. Es ist halt wie es ist.»

«Und was ist mit Gunzgen und Kappel?»

«Ja, das ist einfacher. Gunzgen gehört klar nicht dazu, weil da eine Autobahn dazwischen ist und Kappel ist ein Dorf nach Gunzgen, also klar: Nein.»

«Du musst sehen», sagte ich weiter, «das Gäu ist heute eine klar abgrenzbare politische Einheit und bildet einen Bezirk. Diesen Bezirk gibt es so aber noch nicht ewig. Es gab und gibt noch andere geografisch-historische Umschreibungen für das Gäu und da waren auch andere Gemeinden mit dabei.»

«Ok», sagte er, «zum Beispiel Niederbipp?»

«Neinnein», sagte ich und schüttelte energisch den Kopf. «Niederbipp ist im Kanton Bern, ganz etwas anderes. Das ist ungefähr wie der Unterschied zwischen einer Pekannuss und einer Kokosnuss.»

«Kanton?», fragte der Ausserirdische, «was ist das?»

«Das ist auch eine politische Einheit, einfach grösser. Und ganz sicher nicht das Gäu», erklärte ich.

«Ok, aber wenn ich auf die Karte schaue: Warum gehört Härkingen nicht dazu?»

«Mein Fehler, Härkingen habe ich einfach vergessen. Aber für den Rest gibt es wirklich gute Erklärungen, ich verspreche es.»

Was ist mit Härkingen?

« Bärenwil? », fragte er. «Da ist ein Berg dazwischen, ist ja logisch, dass das nicht zum Gäu gehört.»

«Balsthal?», fragte er.

«Nun, das ist interessant», sagte ich, «das ist nicht das Gäu, aber wir gehören zusammen in einer Amtei.»

«Eine Amtei? Nirgendwo in der Schweiz gibt es das sonst.»

«Irgendwie wählen wir halt zusammen und gehören so ein wenig mehr zusammen. Das reicht uns aber auch.»

«Nun, ok», seufzte er resigniert. «Das Gäu umfasst also acht Gemeinden. Und die haben gemeinsam, dass sie irgendwann einmal historisch zusammengewachsen sind und irgendjemand mal gesagt hat: Ihr seid nun ein Bezirk?», fasste er zusammen: «Also könnte man diese Gemeinden auflösen und zusammenführen?»

«Spinnst du?», sagte ich. «Das will doch niemand. Das Gäu ist ja schon ein gemeinsamer Bezirk. Mehr Nähe muss wirklich nicht sein.»

Philipp Felber-Eisele ist im Gäu geboren, war Journalist und arbeitet heute in der Kommunikation.

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© Solothurner Zeitung