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Die Pfiffe gegen Sané zeigen, wie schwer es ist, WM-Stimmung zu erzeugen

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tuesday

Kommentar zur DFB-Auswahl: Pfiffe gegen Leroy Sané zeigen, wie schwer es ist, WM-Stimmung zu erzeugen

Die Pfiffe gegen Sané zeigen, wie schwer es ist, WM-Stimmung zu erzeugen

Einen eigenen Spieler bei der Einwechselung niedermachen? Das betrachtet die DFB-Delegation zu Recht als Affront. Doch die fehlende Euphorie liegt auch an Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte zwei Ziele für die ersten beiden Länderspiele des Jahres - sie wollte in Form kommen für die WM im Sommer, und sie wollte Euphorie entfachen. Ziel Nummer eins hat das Team einigermaßen erfüllt mit dem 4:3 in der Schweiz und dem 2:1 gegen Ghana. Ziel Nummer zwei dagegen muss als verfehlt erachtet werden. Das deutsche Publikum steht der DFB-Auswahl skeptisch gegenüber. Als Symbol dafür stehen die Pfiffe gegen Leroy Sané bei dessen Einwechselung gegen Ghana.

Klar, der einstige Bayern-Profi polarisiert. Seit seinem DFB-Debüt vor mehr als zehn Jahren spielt Sané praktisch ständig unter Bewährung, weil er öfter durch Lustlosigkeit auffällt als durch die Erfüllung seines enormen Potenzials. Sané ist der wohl frustrierendste Nationalspieler der DFB-Geschichte.

Vorsicht beim sonst meinungsstarken Bundestrainer

Trotzdem hat die DFB-Delegation die Pfiffe gegen ihn vollkommen zu Recht als Affront aufgefasst. Am deutlichsten kritisierten die Stuttgarter DFB-Profis Deniz Undav („Man sollte hinter der Mannschaft stehen”) und Alexander Nübel („Absoluter Schwachsinn”) das heimische Publikum. Nagelsmann blieb im Allgemeinen. Einander zu zerfleischen, würde niemandem nutzen, sagte er.

Die Vorsicht des sonst meinungsstarken Bundestrainers zeigte, dass er sich im Klaren darüber ist, wie fragil die Stimmung um das DFB-Team ist. Das einst selbstbewusst formulierte WM-Ziel (Weltmeister!) musste Nagelsmann nach der mäßigen Qualifikation abmoderieren, bei seiner Personalpolitik widerspricht er sich regelmäßig, einige Entscheidungen sind für das Publikum schwer nachzuvollziehen. Die Skepsis des Publikums liegt auch am Bundestrainer.

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Für dieses Team ist alles möglich – in alle Richtungen

Euphorie lässt sich nicht erzwingen, trotzdem hätte die Nationalmannschaft ein bisschen Vertrauen verdient nach dem ordentlichen Auftakt ins WM-Jahr. Und dass man Spieler nicht schon bei der Einwechselung niedermacht, ist selbstverständlich. Außer für deutsche Fans, die weiterhin auch den Spanier Marc Cucurella auspfeifen, weil das Schiedsrichter-Team (!) sein versehentliches (!!) Handspiel im EM-Viertelfinale vor zwei Jahren (!!!) übersah.


© Solinger Tageblatt