Wachsender Zuspruch: Die gesellschaftliche Mitte und die AfD
Wenn der AfD-Spitzenpolitiker Bernd Baumann über Menschen spricht, auf die die Politik seiner Partei abzielt, fällt der Begriff der „Alten Mitte“. Dann verweist der Bundestagsabgeordnete, der Erster Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion ist, auf den Soziologen Andreas Reckwitz. Vereinfacht gesagt, hat der Wissenschaftler einen sozialstrukturellen Wandel ausgemacht mit neuen Konfliktlinien in der Mitte der Gesellschaft. So gibt es demnach eine alte Mittelschicht von Menschen mit mittleren Bildungsabschlüssen, die auf dem Land oder in Kleinstädten leben und dort verwurzelt sind. Dann gibt es eine neue Mittelschicht mit Universitätsabschluss, liberal und kosmopolitisch. Baumann sagt: „Als ihre politische Speerspitze erkennt diese Alte Mitte immer mehr die AfD. Diese Wähler wollen nicht immer bunter und diverser werden - sondern deutsch und europäisch bleiben.“
Ist das wirklich eine Erklärung für den wachsenden Zuspruch der Rechtspopulisten in der gesellschaftlichen Mitte? Der Sozialforscher Tim Gensheimer sagt: „Teile der Mitte fühlen sich von der Politik nicht gehört und nicht ausreichend beachtet - und zeigen seit einiger Zeit eine überdurchschnittliche Neigung zur AfD.“ Gensheimer ist Wissenschaftler am SINUS-Institut, das regelmäßig Gesellschaftsmodelle erstellt. Grundlage dafür sind sogenannte Sinus-Milieus, also insgesamt zehn Gruppen aus........
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