Erodierende internationale Ordnung: Trumps Politik senkt die Hemmschwelle für Kriege
Erodierende internationale Ordnung Trumps Politik senkt die Hemmschwelle für Kriege
Meinung | Berlin · Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan eskaliert. Warum das auch etwas mit der Politik von US-Präsident Donald Trump zu tun hat.
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Taliban-Soldaten haben auf der afghanischen Seite des Grenzübergangs Pakistan im Visier.
Zwischen Pakistan und Afghanistan eskaliert die Gewalt, die pakistanische Regierung spricht von „offenem Krieg“. Das passiert nicht im luftleeren Raum, sondern vor dem Hintergrund langjähriger Rivalitäten und Sicherheitsinteressen. Dennoch: Die jüngste Entwicklung ist auch Folge der US-Politik unter Donald Trump. Wer die regelbasierte Ordnung untergräbt, senkt die Hemmschwelle für Kriege: Staaten, die sich stark fühlen und mit den Nachbarn eine Rechnung offen haben, müssen nicht mehr fürchten, dass ihre Aggression bestraft wird.
Ein Schritt zurück: Die Weltlage hat sich schon vor Trumps Rückkehr ins Amt verschlechtert. Vor allem Russland verstieß mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine gegen das Gewaltverbot der UN-Charta. Aber auch Washington trägt nun zur Erosion völkerrechtlicher Normen bei – sei es durch militärische Angriffe auf Venezuela oder durch Druck und Drohkulissen gegenüber Partnern wie Kanada oder Europa. Und weil Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat regelmäßig blockieren, bleiben die internationalen Reaktionen oft zahnlos. Das ermutigt dazu, Grenzen zu testen. Immerhin sind nun Staaten in der Region um Vermittlung bemüht – bevor es der Konflikt sich ausweitet.
Pakistan ist Afghanistan zwar militärisch weit überlegen – und muss bei Luftangriffen wenig Gegenwehr fürchten. Doch haben die Taliban im jahrzehntelangen Kampf gegen US- und Nato-Truppen bewiesen, dass sie Guerillakrieg beherrschen. Hinzu kommt das Risiko einer Ausweitung zum Stellvertreterkrieg zwischen den Atommächten Pakistan und Indien. Vorwürfe aus Pakistan weisen schon in diese Richtung. Wenn beide Regionalmächte dann noch ihre jeweiligen Verbündeten in den Konflikt hineinziehen, droht eine gefährliche Kettenreaktion.
