Krawalle in Europa: Der Pöbel kann Sturmhaube tragen – oder Krawatte
Krawalle in Europa Der Pöbel kann Sturmhaube tragen – oder Krawatte
Das brennende Rathaus von Limoges am 17. Oktober.
Meinung | Düsseldorf · Vielerorts in Europa eskalieren soziale Proteste zu Orgien der Zerstörung. Die Warnung vor einem solchen Umschlagen ist uralt. Elitendünkel aber ist fehl am Platz: Die Verachtung der Regeln ist keine Frage der sozialen Schicht, sondern der persönlichen Moral.
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Die Bilder gleichen einander quer durch Europa: brennende Autos, Rauch über Innenstädten, zerborstene Schaufenster. In Limoges brennen Vandalen das historische Rathaus nieder. In Mailand verstören die Aufnahmen eines piepsstimmigen Zwölfjährigen das bürgerliche Publikum, der mit einer Handvoll Gürtel aus einem Bekleidungsgeschäft steigt. In Barcelona ist zunächst überhaupt nicht klar, was das Ziel der Proteste ist. Junge, teils sehr junge Leute sind in Aufruhr, und immer wieder werden aus den Demonstrationen Krawalle, Akte blinder Zerstörungswut. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez räumte nach dem schwarzen 17. Oktober ein, man habe mancherorts die Kontrolle über das Geschehen verloren.
Wenn plündernde Horden durch die Straßen ziehen und der Staat dem nichts entgegenzusetzen hat, gibt es dafür einen Begriff: die Herrschaft des Pöbels.
Begriff „Pöbel“ geht über Umwege zurück auf das lateinische Wort „populus“: Volk. Seinen herabsetzenden Nebensinn erhält es in der frühen Neuzeit. Seither bezeichnet „Pöbel“ die rohe Volksmasse, oft im Sinne einer sozialen Schicht.
Entstehung Der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) verbindet den Pöbel mit dem „Verluste des Gefühls des Rechts, der Rechtlichkeit und der Ehre, durch eigene Tätigkeit und Arbeit zu bestehen“. Verursacht werde das durch extreme Armut, die wiederum durch den extremen Reichtum weniger entstehe: ein........
