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Krankenhausreform mit Nebenwirkungen: Schärferes Pflegebudget, frierende Patienten

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saturday

Krankenhausreform mit Nebenwirkungen Schärferes Pflegebudget, frierende Patienten

Meinung | Düsseldorf · Die gute Nachricht zur Krankenhausreform: Länder bekommen mehr Spielraum. Die schlechte: Pflegekräfte werden mit noch mehr Bürokratie belastet. Man kann Effizienz im Gesundheitswesen nicht herbeicontrollen.

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Pflegekräfte sind im Arbeitsalltag zunehmend mit Bürokratie belastet (Symbolbild).

Über nichts wurde im Gesundheitswesen so heftig gestritten wie über die Krankenhausreform. Bund gegen Länder, SPD gegen Union, Krankenkassen gegen Krankenhäuser. Da ist es schon mal eine gute Nachricht, dass man sich jetzt überhaupt auf etwas geeinigt hat. Der Bundestag hat am Freitag (6. März) die Reform der Reform von Karl Lauterbach beschlossen. Sie wird im Bundesrat durchgehen, denn die Länder haben in zähen Verhandlungen ihre Punkte gemacht. Sie bekommen die nötige Freiheit, um Häuser in ländlichen Regionen auch ohne Einhaltung starrer Bundesvorgaben am Leben erhalten zu können. NRW bekommt die Zeit, die es braucht, um seine eigene und den Weg der Konzentration bereitende Reform zu vollenden. Das hilft Patienten.

Ein Problem der Lauterbach-Reform bleibt bestehen. Eigentlich wollte der SPD-Minister, dass die Kliniken Vorhaltepauschalen bekommen, damit sie keinen Anreiz haben, immer mehr (überflüssige) Operationen zu machen. Dass Deutschland Weltmeister bei Rücken ist, zeigt die teure Fehlsteuerung. Doch da sich die Pauschalen weiter an Fallzahlen orientieren werden, bleiben die Fehlanreize bestehen.

Ein weiterer Fehler ist es, dass der Bund nun die Regeln für die Finanzierung der Pflegekräfte verschärft. Arbeitgeber und Krankenkassen glauben, dass dann trennschärfer abgerechnet und gespart wird. Wer den Klinikalltag kennt, weiß, dass anderes passieren wird: Patienten werden frierend vor dem Röntgenraum warten, bis irgendwann der Service sie abholt, weil die Pflegerin das nicht mehr darf. Pflegekräfte werden noch weniger Zeit haben, weil sie diese mit noch mehr Buchführung über ihre Pflege- und andere Leistungen verbringen müssen. So funktioniert es nicht. Effizienz im Gesundheitswesen kann man nicht herbeicontrollen, auch wenn Kassen das immer wieder versuchen. Hier lassen sie die Patienten im Stich.


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