Gesetzliche Krankenversicherung: Für Hausfrauen soll es teurer werden – aus gutem Grund
Gesetzliche Krankenversicherung Für Hausfrauen soll es teurer werden – aus gutem Grund
Meinung | Düsseldorf · Das Ende der Gratis-Versicherung für Hausfrauen und Hausmänner ist sinnvoll, löst aber nicht die grundsätzlichen Probleme im Gesundheitssystem. Nächste Woche wird es ernst.
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Die Krankenkassen klagen über steigende Ausgaben.
Nächste Woche schlägt für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Stunde der Wahrheit. Dann legt die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission Vorschläge vor, um die gewaltigen Löcher zu schließen. Ein Vorschlag lautet, Kostenpflichtiger Inhalt die beitragsfreie Versicherung von Familienmitgliedern abzuschaffen. Vor 20 Jahren hätte dies einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, weil viele Familien sich für das Modell Alleinverdiener entschieden, über den die nicht-erwerbstätige Frau (oder der Mann) mitversichert war. Doch die Zeiten sind vorbei, und es gibt gute Gründe für eine Reform.
Damit würden Krankenkassen Zusatzeinnahmen erhalten und Hausfrauen einen Anreiz, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen. Das wäre nicht nur mit Blick auf die eigene Altersvorsorge günstig, das wäre auch angesichts der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels sinnvoll. Die beitragsfreie Mitversicherung für Kinder darf hingegen nicht angetastet werden. Das hat Ministerin Warken bereits betont.
Zugleich ist klar: Beiträge für Hausfrauen und Hausmänner können gerade mal einige Tagesausgaben im deutschen Gesundheitswesen finanzieren. Eine grundsätzliche Lösung des Finanzproblems in der alternden Gesellschaft sind sie ohnehin nicht. Hier braucht es Strukturreformen: eine bessere Patientensteuerung, eine Reduktion überflüssiger Operationen etwa von Rücken und Knie, mehr Eigenverantwortung der Patienten auch für ihren eigenen Lebensstil, Schluss mit fragwürdigen Gesundheitsapps und eine Konzentration der Krankenkassen.
Dass die Kassenärzte schon mal vorsorglich mit einer Kürzung der Termine für Patienten drohen, lässt nichts Gutes ahnen. Bei allem Verständnis für ihre Belastung – auch in anderen Berufen wird nicht nach Stückzahl abgerechnet. Koalition und Gesellschaft steht ein heißer Gesundheitsfrühling bevor.
