Trumps Kampf gegen Kritiker: Das Kapital kapituliert
Der US-Fernsehsender CBS dürfte so langsam bedauern, dass er die Late-Night-Sendung »Late Show« nicht einfach früher abgesägt hat. Die »Gnadenzeit«, die man Moderator Stephen Colbert, einem der lautesten Kritiker von Präsident Donald Trump, gegeben hat, nutzt dieser nun genüsslich aus. CBS hatte ihm Dienstagnacht zwar die Übertragung des Interviews mit einem Senatskandidaten der oppositionellen Demokraten verboten, doch Colbert stellte das Gespräch einfach auf seinem Youtube-Kanal online. Nicht nur das: In seiner Sendung sprach er trotz Verbots über den Eingriff des Senders und dessen Duckmäusertum.
Dass CBS erneut vor Trumps Drohungen einknickt und lieber die eigene Meinungsfreiheit selbst beschneidet, um bei der von Trump kontrollierten Aufsichtsbehörde FCC nicht in Ungnade zu fallen, ist nicht nur Beleg für die grassierende Kapitulation des Kapitals in den USA. Sie ist auch moralisch verwerflich in einer Zeit, in der normale Bürger gleichzeitig bei Demonstrationen gegen Trumps Politik im wahrsten Sinne ihr Leben riskieren. Dabei hatte der FCC-Chef lediglich angedeutet, ein politisches Ausgeglichenheits-Gebot künftig auch für Talkshows einzuführen. Festgeschrieben ist es nicht.
Diese vorauseilende Feigheit, die auch andere Großkonzerne von Amazon und Apple über Meta bis X zur Schau tragen, dürfte langfristig schädlich für den Sender sein. Dieser stieß seine Zuschauer nun erneut für die kurzfristige Profitsicherung vor den Kopf. Doch wenn Colbert im Mai geht, werden seine Fans sicher nicht bei CBS verweilen.
