Ceuta und die sozialen Medien
Was geschieht, wenn uns die Realität durch Bilder und Geschichten erreicht, die andere ausgewählt haben? Platon stellte sich Männer vor, die in einer Höhle angekettet und überzeugt waren, die Schatten an der Wand seien die Welt. In Ceuta bewegten die Schatten ihre Körper. In den sozialen Medien kursierten Gerüchte, dass nach einem Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs niemand mehr nach Marokko zurückgeschickt würde, der es schaffte, die Exklave auf dem Seeweg zu erreichen. Aber das Urteil verbot zwar die sofortige Zurückweisung, nicht jedoch die gesetzlich vorgeschriebenen Rückführungen. Tausende ohne dieses Wissen versuchten, trotzdem einzureisen. Es gab Tote. Die verzerrte Interpretation des Urteils verfälschte nicht die Realität – sie schuf sie sogar.
Für die europäische und US-amerikanische Rechte beweist Ceuta das Versagen der spanischen Regierung in der Einwanderungspolitik. Andere sprechen von marokkanischen Vergeltungsmaßnahmen und verweisen auf amerikanische Finanzhilfen für Rabat sowie auf die Interventionen konservativer Denkfabriken. Innerhalb weniger Stunden verdichten sich diese »Informationen« zu einer Verschwörung.
Die linke Medienlandschaft in Europa ist nicht groß, aber es gibt sie: ob nun die französische »L’Humanité« oder die schweizerische »Wochenzeitung« (WOZ), ob »Il Manifesto« aus Italien, die luxemburgische »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek«, die finnische »Kansan Uutiset«, der britische »Morning Star« oder »Naše Pravda« aus Prag. Sie alle beleuchten internationale und nationale Entwicklungen aus einer progressiven Sicht. Mit einer Reihe dieser Medien arbeitet........
