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Wie Schüler von ihren Eltern begleitet werden

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24.01.2026

Früher ging man einfach zur Schule. Heute wird man betreut, gecoacht oder aber sich selbst überlassen. Vier Typen von Schüler/innen und wie sie von ihren Eltern unterstützt werden.

Die Alleingelassene: Sie kommt ohne Schulmaterial, ohne Unterschrift und ohne Plan. Hausaufgaben? «Vergessen.» Eine Schere? «Müssen wir noch kaufen.» Prüfung? «Nicht gewusst.» Eltern? Unauffindbar. E-Mails bleiben unbeantwortet. Bei Elternabenden steht die Schülerin plötzlich im Schulzimmer, um für ihre Eltern zu übersetzen. Akut wird die fehlende Begleitung bei der Lehrstellensuche. Das persönliche Netzwerk fehlt, die Kenntnisse über das Schweizer Berufsbildungssystem sind bescheiden. Beim Elterngespräch sagt die Mutter über ihre Tochter mit durchzogenen Noten: «Ich sähe sie als Bundeskanzlerin oder Richterin.» Als Lehrperson versucht man derweil verzweifelt, das Mädchen irgendwo im Detailhandel unterzubringen.

Der Verwöhnte: Er hat alles dabei – weil jemand anderes daran gedacht hat. Bevor er das Haus verlässt, kontrolliert Mama, ob er auch wirklich alles eingepackt hat. Geht wider Erwarten etwas vergessen, setzt sich die Mutter ins Auto und bringt das entsprechende Buch in die Schule. Mit dem Schüler selbst hat die Lehrperson nur wenig Kontakt. Denn: Wann immer etwas ist, melden sich die Eltern. Könnte Jonas Zusatzaufgaben zu den Zeitformen erhalten? Könnten sie ihm das Plusquamperfekt nochmals erklären? Wann trifft man sich nochmals für die Klassenreise? Der Verwöhnte ist es gewohnt, dass Probleme gelöst werden, bevor sie überhaupt entstehen. Geht trotzdem etwas schief, liegt die Schuld nicht beim Kind, sondern bei der Schule. Und dann schickt man den Jungen halt aufs Privatgymnasium.

Die Gemanagte: Sie ist zuverlässig, angepasst und leistungsbereit. Doch beim ersten Elterngespräch stutzt die Lehrperson plötzlich: Wer ist es eigentlich, die hier zur Schule geht? Ob es bei zwei Englisch-Prüfungen bleibe dieses Semester, fragen die Eltern. Ob man die Lernziele jeweils nicht früher abgeben könne. Oder ob es möglich sei, dass die Schülerin einen ruhigeren Sitzplatz erhalten könne. Es wird klar: Hier sitzt nicht nur die Schülerin am Tisch, sondern ihr Betreuungsteam. Im Idealfall schaffen es die Eltern, sich........

© Luzerner Zeitung