Jede Stimme ist ein Akt der Teilhabe
Jede Stimme ist ein Akt der Teilhabe
SP-Gemeinderat Jonas Inglin über die politische Mitbestimmung.
Ich zog zurück nach Zug, weil ich hier leben will – nicht nur als Bewohner, sondern als Teil einer Gemeinschaft. Und Teilhabe heisst nicht nur Zuschauen, sondern auch Mitgestalten. Auch wenn man nicht alles im Griff hat.
Letzten Herbst zog ich nach nur gut einem Jahr in Luzern wieder zurück in die Stadt Zug. Ein Gedanke, der mir vor der definitiven Entscheidung dazu ab und zu durch den Kopf ging, war: «Dann musst du aber auch deinen Teil dazu beitragen, Zug längerfristig etwas besser zu machen.» Dabei dachte ich eher daran, ein aktiver Teil der Kulturszene zu sein und ab und zu auch politische Veranstaltungen zu besuchen, als selbst politisch aktiv zu werden.
Als ich dann aber nur wenige Wochen nach meinem Einzug in die neue Wohnung in Zug die Information erhielt, dass mir meine Solidaritätskandidatur von 2022 nun das Nachrücken in den Grossen Gemeinderat ermöglicht, war ich doch erst einmal etwas überrumpelt. Doch nach ein paar Tagen Bedenkzeit sagte ich schliesslich zu – um meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen.
Die erste Sitzung folgte Anfang dieses Jahres und ich war zuerst einmal etwas überwältigt. Wahrscheinlich ähnlich, wie wenn man eine neue Stelle antritt im Arbeitsleben – was ich zugegebenermassen noch nicht oft erlebt habe als freischaffender Musiker. Ich hatte mich beispielsweise zuvor kaum damit auseinandergesetzt, wie unser politisches System funktioniert und man musste mir vorab zuerst einmal erklären, welche Instrumente der Grosse Gemeinderat überhaupt hat, um etwas zu bewirken.
Ausserdem hat es mich etwas erstaunt, wie ausführlich gesprochen und wie wenig wirklich diskutiert wird. Das machte diese erste Sitzung einerseits sehr spannend – weil ich über konkrete Angelegenheiten der Stadt Zug mitentscheiden konnte –, andererseits langweilig – weil mir die Debatte oft etwas inhaltsleer oder ritualisiert erschien.
Trotzdem fühlt es sich insgesamt ganz gut an, etwas zum Gemeinwohl beitragen zu können, und ich ging nach dieser Sitzung mit verschiedenen Gefühlen und Gedanken nach Hause: Wissensdurst als die unerfahrenste Person im Rat; das Gefühl, dass es noch viel zu tun gibt; Angst davor, immer wieder enttäuscht zu werden, da ich mit meiner Weltanschauung zur Minderheit in diesem Rat gehöre; ein Gefühlt von Zugehörigkeit in der SP-Fraktion – sie stellt sich eine sehr ähnliche Welt vor wie ich; und Zufriedenheit darüber, meinen Teil beigetragen zu haben, dass die Welt ein kleines Stück besser wird.
Gerade jetzt, kurz vor nationalen Abstimmungen, scheint mir dieser letzte Punkt besonders wichtig. Denn am 8. März können wir alle dazu beitragen, dass unsere Welt ein paar kleine Stücke besser wird: Ein Nein zur SRG-Initiative schützt unsere Medienlandschaft davor, noch stärker von wirtschaftlichen Interessen gesteuert zu werden. Ein Ja zur Individualbesteuerung bedeutet mehr Selbstbestimmung für Frauen. Ein Ja zur Klimafonds-Initiative stärkt den Schutz von Natur und Umwelt.
Teilhabe beginnt nicht mit Kompetenz, sondern mit Bereitschaft. Mit meinem Ja zum Nachrücken sagte ich nicht Ja zur Macht – sondern zur Möglichkeit, mitzugestalten. Und am 8. März geht es für uns alle um dieselbe Frage: Willst du nur betroffen sein – oder auch beteiligt? Die Abstimmungen zeigen: Jede Stimme ist ein Akt der Teilhabe.
In der Kolumne «Standpunkt» äussern sich Mitglieder des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.
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