Wohnungsnot: Bauen statt Warten
Wohnungsnot: Bauen statt Warten
Von Eva Maurenbrecher, Kantonsrätin FDP, Hünenberg
Zusätzliche Wohnungen rascher und ohne ideologische Umwege ermöglichen: FDP-Kantonsrätin Eva Maurenbrecher setzt sich für die politische Stossrichtung ihrer Partei ein.
Die Wohnungsnot ist das aktuell drängendste Problem im Alltag der Zuger Bevölkerung. Dies zeigen Rückmeldungen aus der Bevölkerung sowie harte Zahlen. Seit Jahrzehnten liegt die Leerwohnungsziffer beinahe konstant unter 0,5 Prozent – schweizweit der niedrigste Wert. Ein ausgeglichener Markt beginnt laut Experten erst bei rund 1,3 Prozent. Gleichzeitig sind die Mieten für neu ausgeschriebene Wohnungen in den letzten 15 Jahren um über 50 Prozent gestiegen . Wer heute umzieht, braucht Geduld und Glück – in grossen Portionen – und zahlt massiv mehr.
Die Knappheit hat Folgen für uns Zuger. Familien finden im vertrauten Umfeld keine passende Wohnung mehr. Ältere Menschen bleiben in zu grossen Wohnungen, weil Alternativen fehlen. Die flügge gewordenen Jungen müssen wegziehen. Es kommt zu Engpässen, weil Fachkräfte keinen Wohnraum finden. Die Wohnungsnot ist längst nicht mehr nur ein soziales, sondern auch ein wirtschaftliches Problem.
Starkes Bevölkerungswachstum, kaum Neueinzonungen, lange Baubewilligungsverfahren und eine zu geringe Bautätigkeit führen zur grossen Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Diese Entwicklung ist aber die Kehrseite unseres Erfolgs. Der Kanton Zug ist wirtschaftlich stark, steuerlich attraktiv und bietet eine sehr hohe Lebensqualität. Genau das zieht Menschen und Unternehmen an. Wenn wir erfolgreich bleiben wollen, muss die Konsequenz lauten: nicht nur gut verwalten, sondern aktiv gestalten.
Die wohnpolitische Stossrichtung der FDP setzt genau hier an. Unsere drei neuen Vorstösse im Kantonsrat zeigen, wie zusätzliche Wohnungen rascher und ohne ideologische Umwege ermöglicht werden können – und das ohne Neueinzonungen unserer geschätzten Natur- und Landwirtschaftszonen.
Erstens: mehr Flexibilität für betriebseigenen Wohnraum in Arbeitszonen. Wer im Kanton Zug arbeitet, soll auch in zumutbarer Nähe wohnen können. Betrieblich gebundene Wohnungen sichern Fachkräfte, entlasten den Arbeitsmarkt und stärken den Gewerbestandort – ohne Arbeitszonen in Wohnzonen zu verwandeln.
Zweitens: ein Ausnützungsbonus für preisgünstigen Wohnraum. Wer günstiger baut, soll mehr bauen dürfen. Eine moderat höhere Ausnützungsziffer schafft zusätzliche Wohnungen, ohne neues Bauland zu beanspruchen. Das ist Verdichtung mit Anreiz statt mit Zwang, effizient, marktwirtschaftlich und sozial wirksam.
Drittens: die Nutzung von Raumreserven über Gleisfeldern soll geprüft werden. Überdeckte Gleisanlagen können neuen Wohnraum schaffen – an bestens erschlossenen Lagen, ohne Grünflächen oder Arbeitszonen zu opfern. Andere Länder machen es vor, und Zug könnte wieder Pionierkanton sein.
Die vorgeschlagenen Massnahmen sind ein Teil unserer klaren Linie, um der Wohnungsknappheit Stirn zu bieten. Sie verbessern die Voraussetzungen dafür, dass überhaupt gebaut werden kann: weniger Blockaden, mehr Tempo. Schnellere Baubewilligungsverfahren, schlankere Regeln. Verdichtung dort, wo sie Sinn macht. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Staat und Privaten. Der Staat setzt klare, liberale Rahmenbedingungen, die Wirtschaft liefert Tempo und Investitionen. Gewinne sind dabei kein Makel, sondern die Voraussetzung für Erneuerung und Neubau. Ohne rentable Projekte entstehen keine Wohnungen.
Der Kanton Zug verfügt mit seiner starken Wirtschaft, den engagierten Gemeinden und einer klaren Strategie über die Voraussetzungen, um diese Herausforderung effizient anzugehen. Entscheidend ist, dass Wachstum aktiv gestaltet wird – mit Augenmass, aber auch mit Entschlossenheit. Jede zusätzliche Wohnung zählt.
In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
FDP legt 40-Punkte-Plan gegen Wohnungskrise vor – und fordert mehr Einzonungen
Die Zuger FDP hat einen Massnahmenkatalog gegen die Wohnungsnot zusammengestellt. Darin weicht sie auch von der Haltung der Regierung ab.
Wer in Zug noch mieten kann, hat Glück – oder Geld
Neue Zahlen zeigen, wie sich die Mietpreisspirale immer weiter dreht – ohne Ende in Sicht. Reiche ziehen zu, während Zuger Normalverdiener kaum noch eine Wohnung finden.
Nein zur Individualbesteuerung – Schluss mit dieser Mogelpackung
SVP-Kantonsrat Adrian Risi über die Individualbesteuerung – und warum er sie nicht für einen Fortschritt, sondern für einen Rückschritt hält.
