64 Tage Vivantes-Streik: Wer kämpft, gewinnt
64 Tage Vivantes-Streik: Wer kämpft, gewinnt
Der Streik bei den Vivantestöchtern in Berlin ist heute zu Ende. Die Löhne werden bis 2031 auf 100 Prozent angepasst. Doch eine Frage bleibt: War wirklich nicht mehr drin?
Von eiskalten Tagen durch regnerisches Wetter bis zu erdrückender Hitze: Über zwei Monate lang – genau genommen 64 Tage – haben sich die Beschäftigten der Vivantestöchter in Berlin durch teilweise grauenhafte Witterungsbedingungen gekämpft und für eine 100-prozentige Angleichung an den Tarifvertrag im Öffentlichen Dienst (TVöD) gestreikt. Ein Streik, der in einer historischen Perspektive viele Fortschritte gezeigt hat und sich nicht nur durch seine Länge, sondern auch durch seine Streikmethoden und -mittel als Vorbild für Streikbewegungen etablieren konnte.
Schon von Tag 1 waren die Beschäftigten mit circa 500 Kolleg:innen im Streik. Was im Januar, Februar und März mit vereinzelten Streiktagen begann, wurde am 15. April zum offiziellen Erzwingungsstreik – ein Streik, der so lange andauert, bis eine Einigung gefunden werden kann. Für einige Kolleg:innen waren das die ersten Streiktage ihres Lebens, für viele war es eine Art Neuaufnahme und Weiterführung der langen, erbitterten Kämpfe und Streiks von 2021. Damals erkämpften sie sich große Erfolge, unter anderem Sonntags- und Schichtzulagen, ein 13. Gehalt und weitere Vorteile. Doch einen hundertprozentigen TVöD bekamen sie nicht. Stattdessen bekamen die Beschäftigten der Vivantes Service GmbH (VSG) gerade einmal 90 Prozent des TVöD, die anderen Tochterfirmen VivaClean GmbH (VCL) und Speiseversorgung und -logistik GmbH (SVL) sogar noch weniger.
Bei den Streik dieses Jahr waren die Forderungen ganz klar: 100 Prozent TVöD für alle Beschäftigten, mitsamt der Vermögenswirksamen Betriebsleistungen (VBL), den Mantelbedingungen wie erhöhten Schicht- und Wochenendzulagen und zusätzliche Urlaubstage. Das alles wollten sie bis spätestens 2028 haben. Dafür nahmen sie nicht nur die Geschäftsführerin des Personalmanagements Dorothea Schmidt in die Mangel, die sich kurz vor dem Abschluss gönnerhaft in einen Urlaub verabschiedete und die Verantwortung der Tarifverhandlung an andere Bedienstete übergab, sondern auch die Politiker:innen, die für den landeseigenen Krankenhausbetrieb verantwortlich sind. Mit Aktionen vor dem Roten Rathaus, der CDU-Zentrale und bei Parteitagen appellierten sie auch an die zuständige Politik, die seit Jahrzehnten den Rotstift im........
