Die Sprache der AfD
05. Juli 2026 – 20. Tamus 5786
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Gewalt, NS-Bezüge und Antisemitismus: Wie die rechtsextreme Partei auch rhetorisch die Grenzen verschiebt. Eine linguistische Analyse
Die AfD ist ein sprachliches Chamäleon. Grundsatzprogramme, Wahlkampfreden, Interviews, Facebook- oder Instagram-Posts – je nachdem, in welcher textlichen Domäne Kommunikation stattfindet und welches Milieu erreicht werden soll. Das ist an sich nichts Besonderes, denn sprachliche Anpassung an die jeweiligen unterschiedlichen Adressaten gehört zu unser aller sprachlichen Praxis. Wenn dabei aber systematisch sprachlich gegen den gesellschaftlichen Konsens verstoßen wird und demokratische Prinzipien missachtet werden, dann hat hier die verantwortungsethische Linguistik eine Aufgabe.
Es lässt sich viel über den rechtsextremen Sprachgebrauch sagen: die Propagierung des »Normalen« (»Deutschland! Aber normal.«), der Ethnonationalismus (»Deutschland den Deutschen«), die weite Verbreitung von Verschwörungsmythen (»Schalthebel der Macht«), auch das bürgerliche Gewand, in das AfD-Sprache dann gekleidet ist, wenn es opportun erscheint (»Internationalisierung der deutschen Sprache durch das Englische«), ebenso wie typische populistische Sprachmuster (»die da oben – wir hier unten«) – all dies sind Aspekte, die zu einer sprachlichen Analyse auffordern. Denn Juden und Jüdinnen geht insbesondere die ausgeprägte sprachliche Gewalt sowie die (nicht nur sprachliche) Nähe zum NS etwas an.
Von der Sprache, vom Sprachgebrauch her lässt sich zeigen, dass heute nicht mehr lediglich von einer »Grundsympathie für Gewalt als ultima ratio« von »einzelnen Vordenker[n]« in der AfD die Rede sein kann. Sondern: Menschenfeindlichkeit und Aggression, exterminatorische Vorstellungen und Hass sind mit sprachlichen Entsprechungen in Wortschatz und Formulierungen Kennzeichen rechtsextremer Sprache, insbesondere in den sozialen Medien. Wir nennen dies sprachliche Gewalt.
Sie wird häufig motiviert von Hass auf Juden und Jüdinnen (»der Holocaust ein wirksames Instrument für Juden«), auf Musliminnen und Muslime (»ein Holocaust würde sich mal wieder lohnen«), auf Homo- und Transsexuelle (»perverse Ideologie«), auf Politiker und Politikerinnen (»Diese Vollidioten. Die gehören genauso wie [die] Sip[p]schaft in Berlin ertränkt.«).
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Adressaten sind alle diejenigen, die in irgendeiner Weise mit der Meinung, dem Weltbild, nicht konform gehen, also einer imaginierten Norm nicht entsprechen. Solch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit motiviert Denken, Handeln und Reden der politischen Rechten. Dieser Hass entspricht dem repulsiven Weltbild der Rechten. Im Freund-Feind-Schema zu denken, ist grundlegend für die rechte Strategie.
Sprachlich ausgedrückter Hass und sprachliche Gewalt können gar nicht ernst genug genommen werden. Denn: Es besteht ein Zusammenhang zwischen Reden und Denken einerseits, physischem Handeln andererseits. Die Forschung zum Rechtsextremismus hat herausgearbeitet, dass rechtsextremes Sprechen und rechtsextremes Handeln zwar nicht dasselbe........
