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Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

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01.05.2026

01. Mai 2026 – 14. Ijar 5786

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Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Sproß einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

Es ist ein Dienstagnachmittag Mitte März. Die Weinmesse »ProWein 2026« in Düsseldorf neigt sich ihrem Ende entgegen, die ersten Aussteller packen bereits ihre Sachen zusammen. Howard Rossbach steht noch am Stand des Oregon Wine Board und zeigt den Besuchern seine Weine.

Der Amerikaner kommt seit vielen Jahren jedes Jahr auf die internationale Fachmesse, obgleich der deutsche Markt für ihn ein hartes Pflaster ist. Rossbach hat bislang keinen Importeur für seine Weine gefunden hat, obwohl er seit drei Jahrzehnten ein wichtiger Player im Weingeschäft und gut verdrahtet ist. Auf der ProWein habe er trotzdem gute Gespräche mit Händlern und Importeuren aus aller Welt geführt, bilanziert der 71-Jährige. »Ich bin jetzt 50 Jahre in diesem Geschäft und liebe es immer noch.«

Zwar hat er das von ihm gegründete Weingut »Firesteed« schon vor neun Jahren verkauft. Doch der Mann, der seit einem halben Jahrhundert Wein macht und verkauft, ist noch längst nicht reif für die Rente. Einen 100 Hektar großen Weinberg namens »Erratic Oaks« hat Rossbach beim Verkauf zurückbehalten, und auch seine Premium-Linie »Citation« führt er weiter. Bei diesen Weinen handelt sich um rote und weiße Burgunder, die im kleinen Holzfass ausgebaut werden und in Amerika für rund 40 Dollar über die Ladentheke gehen.

Doch Rossbach will auch jene an Qualitätswein aus Oregon heranführen, die nicht das Budget für seine Premiumweine haben. Vor einem Jahr brachte er deshalb eine neue Produktlinie auf den Markt. Seine »WillaJory«-Weine kosten im Heimatmarkt rund 20 Dollar – für hochwertige Weine aus dem Nordwesten der USA sind sie damit durchaus preiswert.

Wein-Boom an der Pazifikküste

Oregon und auch der nördliche Nachbar-Bundesstaat Washington, in dessen Hauptstadt Seattle Rossbach seit 50 Jahren lebt, sind nämlich in erster Linie für prestigeträchtige und teuren Spätburgunder bekannt. Die können es in puncto Eleganz auch mit den »Originalen« aus dem französischen Burgund aufnehmen. Und das, obwohl der Wein-Boom an der amerikanischen Pazifikküste erst in den 70er Jahren so richtig an Fahrt aufnahm.

In Oregon sind rund 16.000 Hektar Land mit Reben bepflanzt, 70 Prozent davon im Willamette-Tal südwestlich von Portland. Drei Fünftel der Weinberge sind mit Pinot Noir bestockt. Mengenmäßig steuern die beiden Bundesstaaten nur wenig zur amerikanischen Weinproduktion bei. Vier Fünftel der US-Weine werden in Kalifornien gekeltert. Doch ist das Klima dort meist zu heiß, um feine Spätburgunder auf die Flasche zu bringen. Bei Prämierungen für die delikate Rebsorte ist der amerikanische Nordwesten deswegen deutlich überrepräsentiert.

Fast ein wenig wie Juden unter den Nobelpreisträgern. Auch Howard Rossbach entstammt einer jüdischen Familie. Er wuchs im New Yorker Stadtteil Bronx auf. Zwar waren unter seinen Vorfahren aus Deutschland auch Weinhändler, doch Rossbachs Karriere war ihm alles andere als in die Wiege gelegt.

Sein gleichnamiger Vater, Howard Rossbach Sr., war bis zu seinem Tod 1975 als Rechtsberater und Richter in New York tätig. Dessen Onkel war ein gewisser Herbert Lehman, Sohn von Mayer Lehman (1830-1897), dem Mitbegründer der 2008 in Konkurs gegangenen Investment-Bank Lehman Brothers.

Herbert Lehman war aber nicht Banker, sondern einer der führenden Politiker an der Ostküste. Von 1933 bis 1942 diente er als Gouverneur des Bundesstaates New York, anschließend wurde er zum Chef der Hilfsorganisation UNRRA ernannt, die Kriegsflüchtlinge in Europa unterstützte. Von 1946 bis 1956 war Lehman dann Mitglied des US-Senats.

»Uncle Herbert« habe er als Kind noch selbst erlebt, erzählt Howard Rossbach. Und noch einen weiteren Politikeronkel, den langjährigen Kongressabgeordneten Jonathan Bingham, besuchte er als junger Mann gelegentlich. »Der beschwerte sich anschließend bei meiner Mutter, dass ich angeblich viel zu konservative Ansichten hätte. Dabei habe ich nur einige Ausgabenprogramme in Washington hinterfragt. Ich war halt schon damals ein fiskalischer Konservativer, aber ansonsten ein Sozialliberaler«, erinnert Rossbach sich mit einem Schmunzeln.

Sein Interesse an Politik war ihm also förmlich in die Wiege gelegt. Politischen Diskussion geht er deswegen auch nie aus dem Weg – auch nicht auf der Düsseldorfer Weinmesse. In seinen Ansichten bleibt stets freundlich, vertritt sie aber mit........

© Juedische Allgemeine