Stan Getz: Der Saxofon-Poet
02. September 2026 – 20. Elul 5786
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»Imanuels Interpreten« (24)
Stan Getz: Der Saxofon-Poet
Wenn Getz live spielte, wollten alle da sein und zuhören. Der Vollblutmusiker kämpfte jedoch über Jahrzehnte hinweg mit Dämonen, die ihn zerstörten
Die Klangwärme, die Stan Getz aus seinem Instrumnent herausholte, ist legendär. Wer diese in einem moderneren Anstrich erleben möchte, ist mit Apasionado gut beraten. Das von einem weiteren Juden, nämlich Herb Alpert, produzierte Album entstand 1990 kurz vor Getz’ Tod. Es ist ein mehr als schöner Abschied.
Der Title Track enthält das sanfte, geradezu zärtlich gespielte Saxofon eines sterbenden Meisters. Hinzu kommt die mit ebenso viel Gefühl beigetragene Bossa-Nova-Gitarre eines weiteren Vollblutmusikers, der leider seit 2013 nicht mehr unter uns weilt: Es ist der 1940 in Rio de Janeiro geborene Oscar Castro-Neves. Seine Liebe zur brasilianischen Einflüsse hat Stan Getz immer wieder demonstriert, indem er sie in sein Werk einbaute - bis zum Schluss.
In fünf Monaten, am 2. Februar 2027, wäre Getz 100 Jahre alt geworden. Er war ein zurecht verehrter Saxofonist, der jedoch über Jahrzehnte hinweg erhebliche Probleme in seinem Privatleben hatte. Können wir das Privatleben in seinem Fall wirklich vom Bühnen- und Studioleben trennen? Vermutlich nicht.
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Amerikanisierte Fassung
Vor knapp 100 Jahren hießen Goldie Gayetski, geborene Yampolski, und Alexander Gayetski ihr viertes Kind willkommen: Stanley war der erste Sprössling, der in Amerika das Licht der Welt erblickte. Seine Brüder Al, Phil und Ben waren noch in Whitechapel (London) geboren worden, wohin die Familie väterlicherseits vor antisemitischen Pogromen in Kiew geflohen war. In den USA wurde aus dem Nachnamen Gayetski mal eben die amerikanisierte Fassung Getz.
Schon als Schüler war Stan Getz zielstrebig. Sein Interesse galt bereits früh Musikinstrumenten. Sein erstes Saxofon, das er 1940 im Alter von 13 Jahren von seinem Vater bekam, kostete 35 Dollar und war jeden Cent wert, wie wir heute wissen. Im Rekordtempo konnte Stan Getz alle Saxofonarten spielen. Beim Tenorsaxofon blieb er schließlich hängen. In seinem ganzen Leben hatte Getz insgesamt nur sechs Monate lang Saxofonunterricht, bei der lokalen Größe Bill Shiner in der Bronx, wo die Familie mittlerweile lebte.
In Europa war das Jahr 1941 schlicht schrecklich. Getz, der das Glück hatte, in Amerika zu leben, wurde in die All-City High School Band in New York aufgenommen. Von dort ging es weiter in den Gruppen von Jack Teagarden, Nat King Cole und Lionel Hampton, als er noch immer ein Teenager war. Wo sollte dieser schnelle Aufstieg noch hin führen? Zur Saxofon-Weltklasse.
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