Das Kopftuch und die Freiheit
22. Juni 2026 – 7. Tamus 5786
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Das Kopftuch und die Freiheit
Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht
Das Kopftuch sorgt seit jeher für heiße Diskussionen. Und für Populismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Nicht weil es als solches gefährlich wäre, sondern weil es aufgeladen ist. Denn das Kopftuch ist nicht einfach nur ein religiöses Symbol. Es ist ein Prüfstein. Für unsere Gesellschaft, für unsere Toleranz, für unsere Fähigkeit, Freiheit nicht nur zu predigen, sondern zu leben. Und: für unsere Entschlossenheit, Grenzen zu ziehen, wo Freiheit von ihren Feinden missbraucht wird.
Für uns Juden ist das keine abstrakte Debatte. Denn wir wissen aus leidvoller Erfahrung, dass Freiheit nie selbstverständlich ist. Wie kostbar bürgerliche Rechte sind. Und wie zerbrechlich sie werden, wenn Ideologien auf dem Vormarsch sind, die Freiheit nur für sich selbst beanspruchen, aber nicht für andere gewähren. Spätestens seit »der Islam« in Europa immer mehr Raum einnimmt und islamische Bräuche oder Symbole immer sichtbarer und spürbarer werden, kollidieren die Welten ein ums andere Mal miteinander.
Die Spannungen, die dadurch entstehen, sind zwar nicht neu. Aber sie haben spätestens seit der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 noch einmal deutlich Fahrt aufgenommen. Ebenso wie das Unbehagen, dass immer mehr Menschen bei der Konfrontation mit der Wirklichkeit zu befallen scheint.
Politische Provokation
Nicht selten ist es dabei das Kopftuch, das im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Für die einen ist es lediglich ein religiöses Symbol. Für die anderen eine politische Provokation. Für die einen ist es Ausdruck von Selbstbestimmung. Für die anderen Ausdruck patriarchalen Zwangs. Für die einen bemisst sich daran die Belastbarkeit der Religionsfreiheit. Für die anderen ist es eine Vorstufe zur Islamisierung westlicher Gesellschaften.Nun ist unbestreitbar: Das Kopftuch ist nicht nur ein religiöses Symbol. Es ist oft auch ein politisches Statement. Ein Instrument, mit dem Islamisten weltweit Frauen unterdrücken. Im Iran etwa wird es per Gesetz erzwungen. Andernorts herrscht faktischer Zwang. Und auch hierzulande leiden nicht wenige Frauen unter dem unbarmherzigen Druck des patriarchalen Familienoberhaupts, der strikten Kontrolle der Familie oder den sozialen Zwängen des religiösen oder kulturellen Umfelds.
Dabei ist klar, dass jede Form des Kleidungszwangs Unfreiheit bedeutet. Umgekehrt bedeutet Freiheit aber auch das Recht, selbst zu entscheiden, ob und was man wo und wie trägt. Der Kampf um die Befreiung der Frau muss also dort enden,........
