Israel hat die Wahl
24. Oktober 2026 – 13. Cheschwan 5787
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Der jüdische Staat stimmt kommende Woche über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin
Israel kennt keine allgemeine Briefwahl. Wer im Ausland wählen will, muss in der Regel anreisen. Also sitze ich im Flugzeug nach Tel Aviv, wie Tausende Israelis aus aller Welt. Für viel Geld, für einen Zettel in einer Urne. Meschugge? Vielleicht. Für mich ist es die letzte Hoffnung, die mir geblieben ist.
Ende der 90er-Jahre stand ich als Jugendlicher an Kreuzungen und verteilte Flyer für Meretz, die linke Friedenspartei. Ich war naiv und stolz darauf. Ich wurde als schlimmer Linker beschimpft. Vermutlich von denselben Leuten, die heute »Bibi, König von Israel« rufen.
Die israelische Linke gibt es praktisch nicht mehr. 1992 kamen die Arbeitspartei und Meretz gemeinsam auf 56 der 120 Knessetsitze. Heute sind beide in den Demokraten aufgegangen und liegen in den Umfragen bei neun Prozent, was knapp elf Sitzen entspricht. Die Linke hat sich nicht im Ziel geirrt. Sie hat sich im Partner geirrt. Und sie unterschätzte den Hass im eigenen Land. Im Herbst 1995 hielt ein junger Itamar Ben-Gvir das Cadillac-Emblem von Rabins Dienstwagen in die Kamera: »Wir sind an sein Auto gekommen, wir kommen auch an ihn heran.« Zwei Wochen später war Rabin tot.
Weltweit gingen Menschen für Gaza auf die Straße, für die Geiseln kaum.
Den Irrtum mit dem Partner versteht, wer in die Kibbuzim am Rand des Gazastreifens schaut. Be’eri, Nir Oz, Kfar Aza: Hier war die Friedensbewegung zu Hause. Man beschäftigte Arbeiter aus Gaza und brachte kranke palästinensische Kinder in israelische Krankenhäuser. Vivian Silver aus Be’eri setzte sich jahrzehntelang für den Frieden ein. Am 7. Oktober 2023 wurde sie ermordet.
Hinter den Terroristen drangen Zivilisten aus Gaza ein. Sie plünderten und verschleppten Menschen, in Nir Oz sogar mit den Golfwagen des Kibbuz.........
