Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald
09. Juni 2026 – 24. Siwan 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald
Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen
Der Jubel war echt. Als die jüdische Mannschaft am Ostersonntag 1939 in Buchenwald gegen die arische Häftlingsmannschaft in Führung ging, skandierten die rund 2.000 zuschauenden Buchenwald-Häftlinge spöttisch jenen Satz, der auf den Straßen des nationalsozialistischen Deutschlands allgegenwärtig war: »Die Juden sind unser Unglück.«
Was wie eine bizarre Episode klingt, gehört zur Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald, überliefert in den Erinnerungen des jüdischen Arztes und Häftlings Edgar Rhoden aus Wien. Wenige Wochen zuvor hatte die SS die Baracken des sogenannten Pogromsonderlagers auf dem Appellplatz abreißen lassen. Dort hatten nach dem 9. November 1938 Tausende jüdische Männer gelitten, rund 250 waren gestorben.
Ausgerechnet an diesem Ort entstand nun ein improvisierter Fußballplatz. Die jüdischen Spieler gewannen das Spiel mit 3:1.
Erinnerung an Spieler und Spiele
Die SS-Lagerführung ließ das Spiel organisieren. Ein Schiedsrichter wurde bestimmt, ein Sprecher kommentierte die Partie über Lautsprecher für die Häftlinge in den Baracken. Für die SS waren solche Veranstaltungen Teil einer Inszenierung. Fußball sollte Normalität vortäuschen und den verbrecherischen Charakter des Lagers verdecken. Nicht zufällig gehörte der Sportplatz später zu den Orten, die Besuchern vorgeführt wurden. Bis 1942 sollen Funktionshäftlinge im Lager gespielt........
