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Zwischen Angst und Wirklichkeit

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11.09.2026

11. September 2026 – 29. Elul 5786

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Zwischen Angst und Wirklichkeit

In Krisen sehen wir oft nicht die Lösung − und merken erst später, dass die Realität viel freundlicher war als unsere Fantasie

Vor einigen Wochen habe ich bewusst einen ungewöhnlichen Ort für ein Seminar ausgewählt. Nicht in einem klimatisierten Konferenzraum, und auch nicht in einem Hotel. Sondern hoch oben auf einem verlassenen Hügel bei Mitzpe Jericho. Ein unglaublicher Ort in der Judäischen Wüste, wo zwischen den Felsen verborgen noch alte Militärbunker liegen und die Aussicht so gewaltig ist, dass man für einen Moment unwillkürlich verstummt.

Und während ich auf diese gewaltige Landschaft blickte, sagte ich: »Es ist merkwürdig, immer, wenn man von oben in die Ferne schaut, sieht man kilometerweit. Aber die wichtigsten Dinge sieht man dabei dennoch nicht. Ich meine, man sieht nicht, was hinter dem nächsten Berg liegt. Und trotz der Weitsicht sieht man einfach nicht, was morgen oder in zwei Wochen passiert.«

Und genau deshalb stellte ich den Teilnehmern eine Frage: »Wann wart ihr das letzte Mal überzeugt, dass alles verloren ist?« Die Antworten kamen sehr schnell. Der eine erzählte von seiner Gesundheit, der andere von seinen Kindern, ein Dritter von seiner Ehe, ein Vierter von seinem Konto. Doch interessanterweise sagte fast niemand: »Aber weißt du was? Zwei Wochen später stellte sich heraus, dass alles gar nicht so schlimm war.«

Ich war ein kleiner Junge und hatte unterwegs meinen Vater aus den Augen verloren

Diese Erkenntnis versetzte mich gedanklich an einen ganz anderen Ort – diesmal nicht nach Israel, sondern nach Italien, zurück in einen Urlaub meiner Kindheit in Bibione. Ich war ein kleiner Junge und hatte unterwegs meinen Vater aus den Augen verloren. Vielleicht für drei oder fünf Minuten. Aber für mich fühlte es sich an wie Jahre.

Ich weiß bis heute noch genau, wie mein Herz raste, wie ich weinend auf der Straße stand. Ich war mir sicher, dass ich für immer verloren war. Und dann hörte ich plötzlich meinen Vater zu mir sprechen, er war die ganze Zeit nur ein paar Meter entfernt.

Immer wenn ich mich daran erinnere, muss ich schmunzeln, denn wenn wir mitten in der Wüste stehen, sehen wir keine Oasen. Was sich wenige Augenblicke zuvor wie eine absolute Katastrophe angefühlt hatte, war plötzlich verschwunden. Alles war wieder in Ordnung.

Manchmal frage ich mich, ob das nicht die........

© Juedische Allgemeine