Scootern am Schabbes?
29. Oktober 2026 – 18. Cheschwan 5787
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Scootern am Schabbes?
Was Rabbiner über Fahrräder, Roller und die Belohnung für jeden Schritt lehren
Wer meint, dass Tretroller nur für kurze Distanzen oder nur für Kinder geeignet sind, der irrt sich. Im Rahmen einer Spendenaktion im Jahr 2019 fuhren die beiden deutschen Extremsportler Dejan Kovacevic und Patrick Oswald mit einfachen Tretrollern 5000 Kilometer quer durch die USA.
Die meisten kommen natürlich nicht so weit mit dem Tretroller, aber zweifelsohne sind sie sehr praktisch. Man kommt damit gut durch die Stadt, der Anschaffungspreis ist niedrig, die Wartung minimal und die Nutzung gut für die Gesundheit.
Der Trend, mit dem Tretroller zur Synagoge zu fahren, anstatt zu Fuß zu gehen
Und es gibt einen weiteren Vorteil: Weil der Tretroller lediglich durch die eigene kinetische Energie betrieben wird, scheint es sich um ein schabbatkonformes Transportmittel zu handeln – vorausgesetzt, es gibt um die Stadt oder das Viertel einen sogenannten Eruw und der Transport des Rollers ist somit erlaubt. Auf diese Weise entwickelte sich in den vergangenen Jahren in den großen jüdischen Gemeinden in den USA – wie Miami und Los Angeles – der Trend, mit dem Tretroller zur Synagoge zu fahren, anstatt zu Fuß zu gehen. Und das nicht nur für die Kleinsten.
Doch ist es wirklich erlaubt, am Schabbat innerhalb eines Eruws mit einem konventionellen Tretroller zu fahren? Eine ähnliche Frage stellt sich auch bezüglich des Fahrens eines konventionellen Fahrrads, bei dem keine offensichtliche verbotene Melacha (eine am Schabbat verbotene Tätigkeit) zu erkennen ist.Auf den ersten Blick ließe sich das Fahrradfahren vielleicht mit dem Reiten eines Tieres vergleichen, das laut der Mischna (Traktat Beiza 5,2) am Schabbat verboten ist. Jedoch passt der im Talmud (Beiza 36b) dafür angeführte Grund, dass man einen Ast abreißen könnte, um das Tier anzuspornen, sicherlich nicht zum Fahrradfahren, weil diese Befürchtung hier nicht besteht.
Einer der ersten Rabbiner, der sich mit dieser Frage befasste, war Esriel Hildesheimer (1820–1899), eine der führenden halachischen Autoritäten Westeuropas im 19. Jahrhundert und Gründer des Berliner Rabbinerseminars. Er wurde gefragt, ob man mit dem damals relativ neu erfundenen Fahrrad am Schabbat fahren dürfe (Siman 49). Besonders interessant ist, wie die Erfindung beschrieben wird: »Man bewegt sich ohne Pferd oder jegliche andere Kraft fort, sondern allein durch das Gewicht und die Schwere des darauf sitzenden Mannes geht sie ihres Weges. Sie wird ›Velociped‹ genannt, und ihre Räder sind mit Gummi überzogen.«
Harter oder gepflasterter Boden
In seiner Antwort argumentierte Rabbiner Hildesheimer, dass das Fahrradfahren verboten sein sollte, weil beim Befahren von Erdboden Spurrillen entstehen, wodurch das Verbot von Choresch (Pflügen)........
