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Noch einen Bissen, dann ist Schluss

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18.09.2026

18. September 2026 – 7. Tischri 5787

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Noch einen Bissen, dann ist Schluss

Für die einen ist Fasten religiöses Gebot, für die anderen eine Prüfung von Körper und Willenskraft

Suppe, Kartoffeln und Fleisch, vielleicht noch etwas Salat und zur Nachspeise ein Stück Kuchen nach dem Familienrezept. Danach ist Schluss, und zwar für 25 Stunden. Für viele, die sich ans Fastengebot von Jom Kippur halten, beginnt am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags eine Zeit, die nicht nur mit Ein- und Umkehr zu tun hat, sondern auch mit Entbehrung.

Der wohl zentralste Verzicht an diesem Tag, den Juden seit 2500 Jahren begehen, ist der des Essens und Trinkens. Dem einen macht das Fasten kaum etwas aus, die andere kämpft mit dem permanenten Hungergefühl und zählt die Stunden, bis drei Sterne am Himmel zu sehen sind und der Feiertag endlich vorbei ist.

Wer 25 Stunden lang nichts isst und trinkt, setzt sich dem Feiertag auch körperlich aus

Ob religiös oder nicht, viele Jüdinnen und Juden fasten an diesem Tag. Gerade für weniger praktizierende Menschen kann das Fasten zu einer körperlichen Herausforderung werden. Wer 25 Stunden lang nichts isst und trinkt, setzt sich dem Feiertag nicht nur gedanklich, sondern auch körperlich aus. Der Verzicht an Jom Kippur macht den Tag unmittelbar erfahrbar – und wird damit zu einem Ausdruck jüdischer Zugehörigkeit, die nicht zwingend an Religiosität gebunden ist. »Bereits der jüdische Philosoph und Theologe Philon von Alexandrien hielt an einer Stelle fest, dass das ›Fasten‹, so bezeichnet Philon den Jom Kippur, auch von jenen Juden eingehalten werde, ›die in ihrem sonstigen Leben keine Werke der Frömmigkeit üben‹«, sagt René Bloch, Judaistikprofessor an der Universität Bern.

Nicht zufällig heißt die englische Bezeichnung für Frühstück »breakfast« – »Fastenbrechen«. Auch das französische »déjeuner« wollte ursprünglich ein Fastenbrechen bezeichnen, abgeleitet vom vulgärlateinischen »disieiunare«, obwohl sich seine Bedeutung im Lauf der Zeit zu Mittagessen verlagerte. Sprachgeschichte erzählt hier zugleich Kulturgeschichte: Fasten war einst so selbstverständlich, dass sich sein Ende – das erste Essen nach einer Zeit des Verzichts – im alltäglichen Wortschatz festsetzte.

Man kann das Fasten auch als Flirt mit göttlicher Unsterblichkeit verstehen.

Man kann das Fasten auch als Flirt mit göttlicher Unsterblichkeit verstehen.

Bereits in der Antike war man überzeugt, dass diese Art des Verzichts, oder zumindest der Mäßigung, gesund sei. Auch der griechische Arzt Hippokrates, der vor 2500 Jahren die Grundlagen für die Medizin als Wissenschaft legte, beschäftigte sich mit dem Fasten: »Wer stark, gesund und jung bleiben will, (…) heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.« Gleichzeitig ist in Hippokrates’ Aphorismen eine gewisse Skepsis zu erkennen: »Weder Sättigung noch Hunger noch sonst irgendetwas ist gut, wenn es das natürliche Maß überschreitet.«

Auf Nahrung zu verzichten, um den Körper zumindest zu schonen und etwas Gesundes zu bewirken, ist allerdings keinesfalls neu. »Das Fasten erinnert den Menschen an seine Sterblichkeit«, erklärt der Judaist Bloch. »Man kann das Fasten auch als Flirt mit göttlicher Unsterblichkeit verstehen: Der fastende Mensch tut so, als müsste er nicht essen, als wäre er unsterblich. In der griechischen Mythologie heißt die Götterspeise typischerweise ›Ambrosia‹, was wörtlich ›unsterblich‹ bedeutet.« Götter müssen nicht essen, oder sie haben eine Speise, die sie unsterblich macht. »Wenn der Mensch nicht isst, nähert er sich dem Göttlichen an. Typischerweise fastet Moses auf dem Berg........

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