Geografie der Entwurzelung
12. Oktober 2026 – 1. Cheschwan 5787
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Geografie der Entwurzelung
Der Berliner Schriftsteller erzählt von seiner Mutter, dem russischen Krieg gegen die Ukraine und vom Verlust jeglichen Halts bei Paul Celan
Ein Buch über sich in Berlin und die Mutter in Moskau, unerreichbar wegen des Krieges gegen die Ukraine, den Putin vom Zaun brach. Ein Buch über grassierenden Antisemitismus in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023. Und ein Buch über Paul Celan, den großen Dichter. Wie können drei solche Stränge nur ein einziges Buch ergeben – einen beeindruckenden, hochpolitischen wie emotional bewegenden Roman mit dem poetischen Titel Die Seine fließt ins Schwarze Meer?
Im vergangenen Jahr erhielt Boris Schumatsky für einen Auszug aus seinem Manuskript bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur, dem Vorlesewettbewerb in Klagenfurt, einen der Preise zugesprochen. Zu Recht. Denn kunstvoll verwebt er diese drei roten Fäden miteinander.
Beredter Kritiker des Putin-Regimes
Er schreibt von sich und der Mutter, die stirbt, ohne dass er Abschied nehmen kann – seit 2014, seit der Okkupation der Krim, ist er ein punktgenau beredter Kritiker des Putin-Regimes. Reiste er nach Moskau, würde man ihn sogleich am Flughafen verhaften.
Schumatsky erinnert sich an seine Jugend in der Stadt an der Moskwa und an die späten Jahre der Sowjetunion, als er sich dem Wehrdienst entziehen wollte und konnte. Eine wesentliche, alles verbindende Figur ist die Nachbarin Natalia. Sie verließ Anfang der 70er-Jahre Paris, wo sie als Concierge, Zimmermädchen und dann als Dolmetscherin für die UNESCO arbeitete, und folgte einem Russen,........
