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Einfach sie selbst

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28.06.2026

28. Juni 2026 – 13. Tamus 5786

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Hannah Kruse ist Lehrerin, engagiert sich politisch und lebt seit ihrer Transition als Frau

Selbst beim Fallschirmspringen trage ich meinen Magen David. Insgesamt umfasst meine Schmucksammlung acht Ketten mit verschiedenen Davidsternen aus unterschiedlichsten Materialien und Größen. Den Stern trage ich bewusst so, dass man ihn schon von Weitem erkennen kann. Er ist für mich ein Symbol, Schutzschild, Talisman und ein Bekenntnis zum Judentum zugleich. Ich werde ihn nicht verstecken. Die Zeiten, in denen ich mich verstellt oder versteckt habe, sind vorbei. Während viele meiner Mitmenschen Angst davor haben, sich zu »outen« – und das gilt nicht nur für ihr Jüdischsein –, gehe ich damit offen um.

Ich war ein stilles, verschüchtertes Kind, entsprechend wurde ich von meinen Mitschülern und von den Lehrern gehänselt. Heute würde man sagen: gemobbt. Ich war kleiner als alle anderen, zart und schwach. Meine Eltern trösteten mich nicht, im Gegenteil. Meine Mutter sagte: »Kein Wunder, dass du von anderen geärgert wirst, du bist ja nur ein Pfeifchen.« Für mich war die Welt der Bücher die Rettung. Ich konnte in die Geschichten versinken und mich durchs Lesen stetig weiterbilden. Meine Ausdrucksweise entsprach bald nicht mehr der meiner Herkunftsfamilie. Das verschaffte mir unter den Mitschülern Respekt und Anerkennung. Bildung kann auch ein Schutzschild sein.

Mein Tempel, mein Rückzugsort, ein sicherer Raum

Die örtliche Bibliothek war mein Tempel, mein Rückzugsort, ein sicherer Raum. Dort hatte ich Ruhe vor meinen Eltern, meinem Zuhause, der Schule, der Gehässigkeit meiner Mitmenschen. Meine Erinnerungen an mein Zuhause sind wie durch einen trüben Schleier verhängt. Sie waren vor allem durch Gewalt und Missbrauch geprägt. Während mein jüngerer Bruder groß, stark und ein richtiger Kerl war, entsprach ich in keiner Weise dem Bild eines Jungen. Ich wurde in Jungenkleidung gesteckt, obwohl ich mich wie ein Mädchen fühlte. Ich war am falschen Ort, im falschen Geschlecht, in einer Welt, die sich falsch anfühlte.

Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich in Cottbus gelebt. Von dort wollte ich so schnell und so weit weg wie nur möglich. Da die Universität Jena einen guten Ruf hatte, besonders im Fach Physik, empfand ich es als großes Glück, dort einen Studienplatz zu bekommen. 1979 begann ich, Astronomie und Physik zu studieren. Noch heute habe ich mit meinen ehemaligen Kommilitonen Kontakt. Wir sind eine verrückte Truppe und treffen uns einmal im Jahr. Dass ich heute offen als Frau lebe und auch als Lehrerin meinen Beruf ausübe, ist kein Problem.

In der DDR wurde nicht lange........

© Juedische Allgemeine