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Eine Reise zum Ich

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11.09.2026

11. September 2026 – 29. Elul 5786

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Unser Autor verbrachte die Feiertage als Kind in der Enge der jemenitischen Gemeinschaft von Kiryat Arba. Dann verließ er die religiöse Welt – und fand sie an Rosch Haschana in der Ukraine wieder

Die Stille auf der Straße war eisig. Die Kälte umhüllte meinen ganzen Körper. Es waren die Tage des Monats Elul, und in den Bergen von Kiryat Arba – oder »der Kirya«, wie wir den Ort auch nannten – wehte nachts bereits ein kühler Wind. Es war vier Uhr morgens. Vater war schon in der Synagoge, um die Slichot zu beten. Er kam niemals zu spät zum Gebet. Immer war er mit der Pünktlichkeit eines jemenitischen Jecken unterwegs.

Ich ging schnell. Ich rannte nicht, weil ich vor mir selbst nicht angespannt und ängstlich erscheinen wollte. Doch ich war von Furcht gepackt. Mehrere Rudel kanaanitischer Hunde aus der benachbarten Stadt Hebron jagten nachts durch die leeren Straßen der Kirya. Ihre Schwänze standen hoch und gebogen in der Luft, während sie nach einer vorbeihuschenden Katze suchten. Oder vielleicht nach einem Kind? Die Angst vor ihnen verdrängte die andere, vielleicht realistischere Bedrohung: Ein Terrorist könnte aus dem Wadi hervorkommen und versuchen, mir etwas anzutun.

Wir alle warteten ungeduldig auf die Slichot

Ich erreichte die Synagoge, die bereits voller Betender und Kinder war. Ich war bereit für den Kampf. Die Kinder der Familien Gispan und Pedahel, Chezroni und Amusi hatten ihre Kehlen schon geölt. Wir alle warteten ungeduldig auf die Slichot. Nicht nur, weil ihre Pijutim schön und ergreifend waren, sondern auch, weil wir den anderen Familien dann die Kraft unseres Gebets zeigen konnten.

Wenn der Vorbeter mit »Rachmana« anhob, antworteten wir mit lauter, heller Stimme: »Rachmanaaaaaaa!«, während wir zu den Kindern der benachbarten Familien hinüberschielten, um uns zu vergewissern, dass sie es nicht besser machten. Zion Zadok mit seinem schelmischen Blick ging zwischen uns umher, zwinkerte und spornte uns an, ermutigte und bestärkte uns. Wir wussten, dass er darüber entschied, welche Kinder am besten und am schönsten gebetet hatten. Sie waren es, die am Ende der Slichot auch eine Tüte Süßigkeiten bekommen würden.

Wir waren nicht müde. Wir konzentrierten uns auf unsere Aufgabe. Erst als das Morgengebet und mit ihm die eintönigen Psuke de-Simra begannen, erinnerte sich unser Körper daran, in einen leichten oder tiefen Schlummer zu versinken. Nicht wenige Erwachsene schlossen sich uns an, als auch ihre Augenlider schwer wurden.

Wer die Slichot am schönsten sang, wurde mit Süßem belohnt.

Wer die Slichot am schönsten sang, wurde mit Süßem belohnt.

Die Slichot am Vorabend von Rosch Haschana waren die aufregendsten. Dann kam sogar unser Nachbar Sohar mit. Sein Vater war aschkenasischer, seine Mutter jemenitischer Herkunft. Er selbst fühlte sich aber der jemenitischen Tradition stärker verbunden. Damit Sohar auch wirklich aufwachte, band er ein Seil an seinen Fuß, das aus seinem Fenster im zweiten Stock zu unserem Fenster darunter hinunterhing. Punkt halb vier zogen wir daran, und er schloss sich uns........

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