Die Pension in Mumbai
02. August 2026 – 19. Aw 5786
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Die Pension in Mumbai
Ellie und Max Lesser aus Dresden waren nur zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte die Journalistin Iris Völlnagel
Das »Soona Mahal« am Marine Drive in Mumbai fällt auf mit seinen fünf Stockwerken, dem Dachgeschoss, seinen Farben – Crème und ein warmes Rostbraun – und mit dieser schlichten, vornehmen Artdecó-Front, die vermuten lässt, wie es dort vor über 100 Jahren, als das Haus gebaut wurde, gewesen sein muss. Was man von dort oben wohl für einen Ausblick auf die Back Bay hat?
Vielleicht blickten Ellie und Max Lesser auch manchmal auf die Bucht vor Mumbai und fragten sich, wie es wohl gerade in Dresden sei? Das Ehepaar, das im Soona Mahal viele Jahre eine Pension für jüdische Geflüchtete betrieb, war selbst geflohen – ohne Hilfe, auf eigene Faust. Max Lesser war in Dresden Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, Ellie engagierte sich im jüdischen Frauenverein. Beide waren eng mit der Stadt verbunden und hätten sich nie vorstellen können, dass sie ihre Heimat an der Elbe verlassen müssen.
Von den Nazis verhaftet und ins KZ Buchenwald verschleppt
Doch es kam anders: Während der Pogromnacht wurde Max von den Nazis verhaftet und gemeinsam mit 10.000 jüdischen Männern ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Das perfide »Angebot« der Nazis: Wer sich bereit erklärte, auf seinen gesamten Besitz zu verzichten und Deutschland zu verlassen, wurde entlassen. Da eine Nichte von Max Lesser bereits in Indien lebte, machte sich das Ehepaar auf den langen Weg in das damalige Bombay.
Die Jewish Relief Association half den neu ankommenden jüdischen Geflüchteten, auf dem Subkontinent Fuß zu fassen.
Die Jewish Relief Association half den neu ankommenden jüdischen Geflüchteten, auf dem Subkontinent Fuß zu fassen.
Es sind Lebensläufe wie der der Lessers, die die Leipziger Journalistin Iris Völlnagel recherchiert hat. Dazu gebracht habe sie eine Zufallsbegegnung mit Margit Franz, Historikerin an der Uni Graz, 2018 in Indien. So sei sie »auf den jüdischen Friedhof Chinchpokli in Mumbai gegangen und habe dort eine Tafel gesehen in Erinnerung an Alfred W. Rosenfeld, der aus Heilbronn kommt. Und weil das auch meine Heimat ist, hat mich das einfach angesprochen«, erzählt Völlnagel, die derzeit an einem Buch über Rosenfeld, eine tragende Figur der JRA,........
