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Ankaras Machtfantasien

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02. August 2026 – 19. Aw 5786

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Ankaras Machtfantasien

Wie die türkische Führung von der Eroberung Jerusalems träumt

Die außenpolitische Naivität hat Tradition in Deutschland. Jahrelang pflegte man in Berlin die Illusion, Autokraten ließen sich durch wirtschaftliche Verflechtung und diplomatische Beschwichtigung einhegen. Wandel durch Handel. Das böse Erwachen im Fall von Wladimir Putins Russland hätte eine Lehre sein müssen. Doch der Blick auf einen anderen zentralen Akteur an der Peripherie Europas bleibt von einer gefährlichen Ignoranz geprägt: die Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan.

Wenn Spitzenpolitiker der Führungsebene in Ankara imperiale Eroberungsfantasien artikulieren und tief sitzenden Antisemitismus bedienen, wird dies hierzulande viel zu oft als innenpolitisches Getöse oder harmlose Folklore abgetan. Es ist jedoch das genaue Gegenteil. Es ist die programmatische Offenlegung einer neo-osmanischen und ultranationalistischen Agenda, die sich fundamental gegen westliche Werte und geopolitische Stabilität richtet.

Besorgniserregende Entwicklung

Ein Paradebeispiel für diese besorgniserregende Entwicklung lieferte jüngst der türkische Innenminister Mustafa Çiftçi. In einer aggressiven Rede fantasierte eine der zentralen Figuren des Sicherheitsapparats unverblümte Expansionspläne herbei: »So wie wir die Freiheit von Damaskus, Aleppo und Karabach erlebt haben, werden wir eines Tages, so Gott will, auch die Freiheit von Jerusalem erleben«, verkündete Çiftçi. Gesteigert wurde diese imperiale Projektion durch den persönlichen Wunsch, der Allmächtige möge ihm das Amt des »Gouverneurs von Jerusalem« gewähren. Er fügte hinzu: »Wie in der Vergangenheit werden diese Orte wieder uns gehören. Sie werden wieder unter unsere Regierungsgewalt fallen.«

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