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»Tropfenwunder« zu verkaufen

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25.02.2026

25. Februar 2026 – 8. Adar 5786

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»Tropfenwunder« zu verkaufen

Das Bewässerungsunternehmen »Netafim« ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Landes. Nun soll es offenbar von einem chinesischen Investor übernommen werden

Ein Unternehmen, das einst half, die Wüste zum Blühen zu bringen, könnte bald den Besitzer wechseln – möglicherweise geht es nach China. Der Bewässerungspionier »Netafim« steht offenbar zum Verkauf. Was wie ein gewöhnlicher internationaler Deal wirkt, berührt in Israel empfindliche Punkte: nationale Identität, technologische Souveränität und die Frage, wem strategisches Know-how gehören sollte. Denn Netafim ist nicht irgendeine Firma. Es ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Landes. Geboren im Kibbuz in der Negevwüste, gewachsen zur Weltmarke.

Gerade deshalb löst die Perspektive eines Verkaufs an einen chinesischen Investor weit mehr aus als nur wirtschaftliche Spekulationen. Netafim gilt als eines der prägendsten Industrieunternehmen Israels. Gegründet 1965 im Kibbuz Hatzerim, entwickelte das Unternehmen die weltweit erste kommerziell erfolgreiche Tropfbewässerung.

Baustein der israelischen Agrarentwicklung

Die Idee ging auf den Ingenieur Simcha Blass zurück, der erkannte, dass Pflanzen effizienter wachsen, wenn Wasser langsam und gezielt an die Wurzeln abgegeben wird. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals eine Revolution, insbesondere in trockenen Regionen. Die Technologie ermöglichte Landwirtschaft unter Bedingungen, die zuvor als nahezu unmöglich galten, und wurde zu einem zentralen Baustein der israelischen Agrarentwicklung – das sogenannte Tropfenwunder.

Über Jahrzehnte entwickelte sich Netafim zum globalen Marktführer, und noch heute ist das Unternehmen in mehr als 100 Ländern aktiv. »Netafim ist immer noch das größte Bewässerungsunternehmen der Welt in dem Bereich, den es selbst geschaffen hat«, schreibt das israelische Wirtschaftsmagazin »Globes« zu den aktuellen Verkaufsverhandlungen. Gleichzeitig zeigt diese Formulierung das Dilemma:........

© Juedische Allgemeine