»Stärkste Macht in der Region«
31. August 2026 – 18. Elul 5786
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»Stärkste Macht in der Region«
Dan Schueftan war Sicherheitsberater unter Israels Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und Ariel Scharon. Heute sieht er das Land so dominant wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg
Herr Schueftan, wie würden Sie die derzeitige Sicherheitslage aus israelischer Perspektive beschreiben?Wir haben in Israel historisch gesehen eine sehr schwierige sicherheitspolitische Herausforderung und zugleich enorme Fähigkeiten, damit umzugehen. Das Ausmaß der Herausforderung hat sich im Laufe der Jahre verändert. Die Kluft zwischen Israel und seinen Feinden ist heute größer als jemals zuvor in der Geschichte.
Was bedeutet das?Israel war noch nie so stark wie heute. Es steht zugleich sehr mächtigen Feinden gegenüber. Das sind jene, die aktiv sind, wie der Iran, und jene, die nicht gewaltsam agieren, wie die Türkei. Aber die Gefahr, dass sich alle arabischen und einige muslimische Staaten unter einem charismatischen Führer zusammenschließen und Israel gemeinsam angreifen, die besteht seit 50 Jahren nicht mehr. In der arabischen Welt haben wir es also nur noch mit den Überresten des arabischen Radikalismus zu tun – Palästinenser, Hisbollah, Huthi – und mit einer sehr großen und wichtigen nicht-arabischen Macht, nämlich dem Iran. Aber der Großteil der arabischen Welt hat bereits verstanden, dass er es sich nicht leisten kann, Krieg gegen Israel zu führen.
Sie meinen auch, dass ein Teil der arabischen Welt sogar daran interessiert ist, dass Israel langfristig die Auseinandersetzung mit dem Iran gewinnt?Was ein arabischer Führer will und was er offen sagen kann, sind zwei verschiedene Dinge. Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt. Sie wollen, dass die Muslimbruderschaft verliert. Sie wollen, dass der Iran verliert. Aber die arabische Öffentlichkeit identifiziert sich mit den Palästinensern. Und arabische Regime müssen vorgeben, dass sie sich der arabischen öffentlichen Meinung anschließen. Außerdem ist es für einen arabischen Führer sehr schwierig, weniger anti-israelisch zu sein als Frankreich, Irland und Norwegen.
Wie sehen Sie die Position Europas?Die Europäer haben nicht die Probleme, die die Amerikaner haben. Während die USA oft unfähig sind, andere Kulturen zu verstehen, sind die Europäer viel differenzierter. Ihr Problem ist nicht analytischer, sondern ideologischer Natur. Sie wollen an bestimmte Dinge glauben, unter anderem daran, dass ein palästinensischer Staat eine Lösung für alle Probleme der Region wäre.
Sie meinen hingegen, dass es nicht für jedes Problem eine Lösung gibt.Was wir zum Beispiel mit Ägypten erreicht haben, halte ich für enorm wichtig. Wichtiger als alles, was Israel seit seiner Gründung in Bezug auf seine Beziehungen zur arabischen Welt erreicht hat. Nicht, weil es perfekt ist, sondern weil es mehr als 50 Jahre lang Krieg vermieden hat. Und es scheint zu halten. Haben wir einen Frieden? Nein. Haben wir eine Normalisierung? Nein. Würde ich das gerne haben? Ja. Wenn wir also im Nahen Osten eine Situation ohne Krieg erreichen könnten, wäre das für mich eine enorme Errungenschaft. Wenn Immanuel Kant ein Araber wäre und uns ewigen Frieden bescheren würde, wäre das schön. Doch ist Israel leider nicht in der Lage, einen dauerhaften........
