»Eine offene Tür ist unsere Antwort«
01. Juli 2026 – 16. Tamus 5786
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»Eine offene Tür ist unsere Antwort«
Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben
Frau Fil, Sie sind Geschäftsführerin des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt und Leiterin des Projekts »Jüdische Kultur Sachsen-Anhalt«. Sie mussten 2014 ihre Heimatstadt Donezk verlassen, kamen vor acht Jahren aus Kyjiw nach Deutschland – und zwar nach Magdeburg. Welche Atmosphäre erlebten Sie damals in der Stadt?Eine offene, geprägt von Toleranz und Demokratie. Die Beziehungen zwischen der jüdischen Community und der Stadtgesellschaft waren für mich ein Traum. Ich war und bin sehr stolz, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Es war ein großes Glück für mich. Außerdem konnte ich meinen Davidstern mit Stolz auf der Straße oder in der Straßenbahn tragen.
Sie waren in der Ukraine Politikerin und Journalistin. Wie haben Sie es geschafft, sich in Deutschland zu integrieren?Zunächst habe ich Integrationskurse besucht, um Deutsch zu lernen, und mich ehrenamtlich engagiert. Später absolvierte ich einen Bundesfreiwilligendienst. Ich habe stets offen gesagt, dass ich Jüdin bin – auch gegenüber muslimischen Schülern, denen ich begegnet bin. Das konnte ich ohne Angst tun.
Wann änderte sich dieses Gefühl der Sorglosigkeit?Nach dem 7. Oktober 2023. Wie nach einem Tsunami hat sich auch unser Leben hier verändert. Die Situation ist für uns bedrohlicher geworden.
Inwiefern?Ich trage meinen Magen David heute nicht mehr selbstverständlich auf der Straße. Ich verstecke ihn. Dabei bin ich eigentlich kein ängstlicher Mensch. Es gibt aber auch nichtjüdische Freunde, die bewusst einen Davidstern tragen oder mit Kippa durch die Straßen gehen, um sich mit uns zu solidarisieren.
In Sachsen-Anhalt gibt es zwei jüdische Gemeinden in Magdeburg sowie jeweils eine in Halle und in Dessau-Roßlau. Insgesamt haben sie etwa 1200 Mitglieder. Im Vergleich zu Berlin oder Frankfurt sind die Gemeinden klein. Wie erleben Ihre Mitglieder die aktuelle Situation?Einige sind äußerlich als religiöse Juden erkennbar. Sie werden häufiger beleidigt, oft von Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte, das muss ich leider sagen. Die........
