Zerstörung bauen
12. Mai 2026 – 25. Ijar 5786
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Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten
Von seinem ersten Entwurf an, der im Sommer 1989 den Wettbewerb um die Erweiterung des Berlin Museums »mit Abteilung Jüdisches Museum« gewann, versuchte Daniel Libeskind aus New York, eine Frage zu beantworten, die sich einem jüdischen Architekten seiner Generation stellte. Wie kann ein Museumsneubau ausdrücken, dass wir nach der Schoa anders fühlen, leben, denken, erinnern als vordem, während wir zugleich in Räumen, nach Mustern der Vergangenheit bauen? Wie kann Gestalt annehmen, was Dan Diner den Zivilisationsbruch nennt? Kann man eine solche Zerstörung bauen?
Das Jüdische Museum, das vor bald 25 Jahren seine schwere Eingangspforte öffnete, gibt die Antwort in seinem Zickzack, der einen Riss ins Gebäude legt, durch unebene Wege, aufgehäufte Steine, leere Flächen, die »Voids«, einen Garten des Exils, durch Namen von Autoren und Autorinnen, Buchtitel, Zitate, Habseligkeiten, die an die unzähligen Ermordeten erinnern. In einen von Hand gezeichneten frühen Plan fügte Libeskind Zeilen des Propheten Jeremias auf Hebräisch ein: »Ich verlasse mein Haus, / ich verstoße mein Erbteil …«
Zwei historische Zäsuren bestimmen die Baugeschichte: der 9. November 1989 und der 11. September 2001
An Sichtbarkeit und Bekanntheit sollte das Jüdische Museum bald sein Mutterhaus, das Berlin Museum, übertreffen. Zwei historische Zäsuren bestimmen seine Baugeschichte: Als der Wettbewerb über das Gebäude entschieden war, fiel am 9. November 1989 die Mauer. Es galt fortan, die Geschichte und Gegebenheiten jüdischen Lebens in der DDR zu integrieren. Der Tag der Eröffnung fiel auf den 11. September 2001. Die Feier musste verschoben werden. Der Bauherr des Jüdischen Museums entwickelte später den Ground........
