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Europas Weg aus der selbst verschuldeten Knechtschaft wird lang und mühsam sein

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04.02.2026

„Nostalgie ist keine Strategie.“ Mit diesen Worten konstatierte der kanadische Premierminister Mark Carney beim Weltwirtschaftsforum in Davos den Bruch mit dem Amerika des Donald Trump und forderte von gleichgesinnten Mittelmächten, ihr Heil künftig ohne die USA als bisherigen Hegemon des Westens zu suchen. Carney erntete für seine klare Ansage stehende Ovationen. Viele Europäer halten den Zeitpunkt für ein „Decoupling“ von dem fremd gewordenen Freund Amerika für gekommen.

So nachvollziehbar dieser Wunsch ist, so sehr übersehen seine Fürsprecher einen nicht unwesentlichen Punkt: Die „Knechtschaft“ gegenüber den USA, die etwa der belgische Premierminister Bart De Wever beklagt, ist vor allem selbst verschuldet. Und so ist Carneys Versprechen, die Mittelmächte könnten ohne die USA „etwas Besseres, Stärkeres und Gerechteres“ aufbauen, bislang nicht mehr als ein Hoffnungswert.

Kein europäischer Regierungschef traut sich bislang, seinen Wählern die bitteren Opfer abzuverlangen, die mit einer Abkehr von Amerika verbunden wären. Ohne eine solch schonungslose Bestandsaufnahme klingt es hohl, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz jetzt fordert, Europa müsse die „Sprache der Machtpolitik“ lernen.

Europa träume, wenn es glaube, es könne sich ohne die USA selbst verteidigen, hat Nato-Generalsekretär Mark Rutte gewarnt. Zwar haben viele europäische Länder,........

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