Eine staatliche Gasreserve darf kein Tabu sein
Wenn dieser Winter zu Ende ist, werden die Gasspeicher einen historischen Tiefstand erreicht haben. Die Vorräte schwinden aktuell wie Schnee an der Sonne. Am Ende wird man – hoffentlich – sagen können: Es ist noch einmal gut gegangen!
Dieses Szenario wird aber nur dann Realität, wenn nichts dazwischenkommt. Wenn also das Gas aus Norwegen, dem wichtigsten Lieferanten Deutschlands, ungestört strömt. Und wenn auch sonst nichts Unvorhergesehenes passiert.
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Ein resilientes Gasversorgungssystem sieht anders aus. Es muss auch mit Störungen umgehen können. Wenn in diesem Winter also am Ende alles störungsfrei gelaufen ist, ist das eine glückliche Fügung, mehr nicht.
Wenn dieser Winter zu Ende ist, werden die Gasspeicher einen historischen Tiefstand erreicht haben. Die Vorräte schwinden aktuell wie Schnee an der Sonne. Am Ende wird man – hoffentlich – sagen können: Es ist noch einmal gut gegangen!
Dieses Szenario wird aber nur dann Realität, wenn nichts dazwischenkommt. Wenn also das Gas aus Norwegen, dem wichtigsten Lieferanten Deutschlands, ungestört strömt. Und wenn auch sonst nichts Unvorhergesehenes passiert.
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Ein resilientes Gasversorgungssystem sieht anders aus. Es muss auch mit Störungen umgehen können. Wenn in diesem Winter also am Ende alles störungsfrei gelaufen ist, ist das eine glückliche Fügung, mehr nicht.
Warum ist die Lage heute so fragil? Weil es wirtschaftlich nicht mehr attraktiv ist, Gas zu bevorraten.
Seit der Gasversorgungskrise des Jahres 2022 gelten in Deutschland Füllstandsvorgaben für die Gasspeicher. Wenn diese Vorgaben zu festgelegten Terminen nicht erreicht werden, beauftragt der Staat die Befüllung der Speicher – koste es, was es wolle.
Das ist nicht nur extrem teuer. Es entwertet auch die Speicher. Weil alle Marktakteure wissen, dass der Staat am Ende schon Gas beschaffen wird. Hinzu kommt, dass seit der Gasversorgungskrise vier LNG-Terminals in Betrieb gegangen sind, über die sich flexibel zusätzliches Gas beschaffen lässt.
Die Füllstandsvorgaben ersatzlos zu streichen, wird nicht ausreichen, um das System zu stabilisieren. Es wird zwar die Marktkräfte anregen. Weil der Staat als letzte Rettung nicht mehr einkalkuliert werden kann, dürfte wieder mehr eingespeichert werden. Aber die Marktkräfte allein sind keine Garanten für Resilienz. Sie preisen Störungen nicht ein.
Strategische Reserve wertet verbliebene Speicher auf
Eine strategische Gasreserve, die nur dann zum Einsatz kommt, wenn ein gesetzlich definierter Versorgungsengpass eintritt, erscheint daher sinnvoll. Sie hätte zudem einen Vorteil: Weil sie einen Teil der Speicherkapazitäten binden würde, würden die verbliebenen Speicher aufgewertet. Ihre Auslastung würde steigen, damit auch ihre Rentabilität.
Damit könnte eine staatliche Reserve, wie sie beispielsweise in Österreich Realität ist, dem Trend entgegenwirken, dass Speicherbetreiber bei der Bundesnetzagentur die Stilllegung ihrer Anlagen beantragen. Dieser Prozess ist in vollem Gange und beeinträchtigt unwiederbringlich die Versorgungssicherheit.
Deutschland wird in Europa um seine enormen Gasspeicherkapazitäten beneidet. Dass sie still und leise schwinden, weil die Betreiber das Interesse verlieren, kann politisch nicht ernsthaft gewollt sein.
Alternativen weisen Schwächen auf
Nun gibt es neben der strategischen Gasreserve, die der Staat vorhält, noch ein paar Alternativen. So könnten Gashändler durch Subventionen in Form von Differenzverträgen motiviert werden, die Speicher auch unter ungünstigen Marktbedingungen zu befüllen. Da sie dazu aber nicht gezwungen werden können, bleibt der Nutzen für die Versorgungssicherheit zweifelhaft.
Auch die Idee, Lieferanten dazu zu verpflichten, einen bestimmten Anteil des von ihnen gelieferten Endkundenverbrauchs physisch in Gasspeichern vorzuhalten, überzeugt nicht wirklich. Die Umsetzung dürfte komplex werden, allein der Nachweis über die individuelle Einhaltung der Füllstandsvorgaben erfordert Bürokratie.
Kurzum: Eine strategische Reserve bietet unter Resilienzgesichtspunkten die größten Vorteile. Sie ist nicht der erste Schritt in Richtung Sozialismus.
Eine Blaupause gibt es auch schon
Eine Blaupause gibt es auch schon: Der Erdölbevorratungsverband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, er untersteht der Rechtsaufsicht des Bundeswirtschaftsministeriums. Er hält Erdöl in einer Größenordnung vor, die für eine Vollversorgung Deutschlands für 90 Tage ausreicht. Das ist ein schönes Stück Resilienz.
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