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Der Medienmarkt in den USA ist eine Warnung – Deutschland muss seine verbliebene …

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09.03.2026

Der Medienmarkt in den USA ist eine Warnung – Deutschland muss seine verbliebene Vielfalt schützen

Stand: 08.03.2026, 16:39 Uhr

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US-Milliardäre wie Amazon-Boss Jeff Bezos kaufen Medien auf und unterwerfen sie ihrer Ideologie. Auch Deutschland braucht dringend Schutz vor solchen Entwicklungen. Die Kolumne.

Es wird der Tag kommen, an dem Politiker wie Donald Trump oder Viktor Orbán Geschichte sein werden. Aber vieles von dem, was sie anrichten, wird bleiben. Das betrifft auch die Medien. Wie Orbán und seine Getreuen in Ungarn die Medienlandschaft umgepflügt haben, geht an die Wurzel der Pressefreiheit: Staatliche Einschüchterung ist gar nicht mehr nötig, wenn die Eigentümer wichtiger Sender und Zeitungen ideologisch ohnehin auf Linie sind. Ähnliches spielt sich in den USA ab – mit Folgen, die über Trumps Amtszeit hinausreichen werden.

Da sind zum einen die Tech-Milliardäre, die über die digitalen Plattformen bestimmen und sich bereitwillig dem Trumpismus unterworfen haben. Zum Dank bleiben sie von politischer Regulierung verschont. Da sind zum anderen die klassischen Verlage und Sender, die zusammengelegt oder zusammengestrichen werden und deren Chefs sich ebenfalls dem Trump-Lager anbiedern.

Amazon-Milliardär Jeff Bezos lässt in den USA die „Washington Post“ ausbluten

Beispiel Washington Post: Diese legendäre Zeitung, die Anfang der 70er Jahre in der Watergate-Affäre die Machenschaften des US-Präsidenten Richard Nixon enthüllte, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihr Eigentümer, der Amazon- und Raumfahrtunternehmer Jeff Bezos, lässt die Redaktion ausbluten. Vor der US-Wahl durfte sie einen Meinungsbeitrag, der sich für Kamala Harris aussprach, nicht veröffentlichen. Nach der Wahl folgten weitere Eingriffe – und eine Entlassungsorgie, die an die Substanz geht. Nun laufen der Zeitung die Leserinnen und Leser davon.

Beispiel CNN: Bei dem Nachrichtensender bangen sie um die redaktionelle Unabhängigkeit. Denn Paramount will den Mutterkonzern Warner schlucken. Ein Mediengigant würde entstehen, der von der Ellison-Familie kontrolliert wird, die nicht bekannt ist für Distanz zum Trump-Lager. CNN könnte gezwungen werden, seinen kritischen Kurs aufzugeben. Und in ein paar Jahren könnte der neue Wind, der in den Hollywood-Studios von Warner wehen dürfte, auch die Kinos erreichen. Wie werden die Drehbücher wohl aussehen, die den Maga-Leuten gefallen?

Auch in Deutschland kriseln Sender, fusionieren Verlage, schließen Redaktionen

In Deutschland gibt es, verglichen mit anderen Staaten, noch immer ein halbwegs vielfältiges Medienangebot. Doch auch hierzulande fusionieren Verlage, werden Zeitungen ausgedünnt, lokale Büros geschlossen. Die privaten TV-Sender stecken in einer Krise, die Öffentlich-Rechtlichen stehen unter Druck. Was würde passieren, wenn ein missionarischer Milliardär versuchen würde, in großem Stil deutsche Medien aufzukaufen oder neue zu gründen und die hiesige Öffentlichkeit politisch umzukrempeln? Wie viel Widerstand hätte er zu erwarten?

Die Medienpolitik muss mehr tun, um die Vielfalt der Medien zu sichern und auszubauen. Das Kartellrecht bietet zu wenig Schutz; nötig sind Initiativen, die gemeinnützigen, nichtkommerziellen Journalismus fördern und die zudem Verlagen dabei helfen, die Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz und digitaler Transformation zu meistern. Die Politik sollte das gemeinsam mit der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft anschieben, darf aber inhaltlich nicht lenken oder eingreifen. Allein auf den Markt zu vertrauen, wäre naiv. Dort werden die Medien der Gegenwart zur Beute von Ideologen und Oligarchen.


© Frankfurter Rundschau