Mit einem Social-Media-Verbot entziehen wir uns echter Verantwortung
Mit einem Social-Media-Verbot entziehen wir uns echter Verantwortung
Stand: 18.02.2026, 17:44 Uhr
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Friedrich Merz will Social Media für unter 16-Jährige verbieten. In Australien tricksen Jugendliche Altersbeschränkungen mühelos aus. Was es stattdessen braucht.
Frankfurt – Friedrich Merz beklagt sich darüber, dass 14-Jährige mehr als fünf Stunden am Tag am Bildschirm hängen. In einem Podcast macht der Bundeskanzler Social Media für „Persönlichkeitsdefizite und Probleme im Sozialverhalten“ von jungen Menschen verantwortlich. Er sei für ein Mindestalter von 16 Jahren für Instagram, TikTok, Facebook und Co. In Australien gibt es das bereits seit dem 10. Dezember. Im Januar feierte die Regierung 4,7 Millionen blockierte Social-Media-Profile. Auf TikTok feiern australische Jugendliche, wie leicht sich das Verbot umgehen lässt. Verbotene Früchte sind eben immer noch die süßesten.
Ein Verbot klingt nach Handeln. In Wahrheit ist es das Gegenteil: Es ist die Kapitulation vor einer Aufgabe, die Mühe kosten wird. Indem wir soziale Medien für Jugendliche verbieten, schwächen wir Medienkompetenz eher, als sie zu stärken. Das Internet ist für junge Menschen kein Luxus, den man ihnen entziehen kann. Es ist ein sekundärer Lebensraum, in dem sie genauso kommunizieren müssen wie Erwachsene. In dem sie sich ausprobieren müssen. Wer sie daraus verbannt, schützt sie nicht. Er macht sie zu Außenseitern in ihrer eigenen Realität.
Ein Social-Media-Verbot entlässt Erwachsene aus der Verantwortung
Die eigentliche Frage lautet: Warum richtet sich die politische Energie gegen die jungen Nutzer:innen statt gegen die Firmen, die hinter den süchtig machenden Apps stecken? Meta, Google, TikTok und Co. sind es, die Minderjährige gezielt in einen Strudel aus werblichen Inhalten, Desinformation und ungesunden Vergleichen ziehen. Dagegen hilft keine Altersbeschränkung. Dagegen hilft echte Regulierung von Big Tech.
22 Erziehungsfehler, die Eltern bei ihren Kindern vermeiden sollten
Dazu gehören die Offenlegung von suchtfördernden Algorithmen, harte Sanktionen gegen die Verbreitung von Falschinformation und ein echtes Verbot von Hassrede. Stattdessen sollen Plattformen jetzt Gesichtserkennung einsetzen, um das Alter ihrer Nutzer:innen zu prüfen. Das Ergebnis wird in Australien sichtbar: Jeder Jugendliche, der halbwegs erwachsen aussieht, kommt durch. Oder erstellt ein neues Konto mit falschem Alter oder Ausweis. Ein Social-Media-Verbot entlässt Erwachsene aus der Verantwortung. Es beruhigt Eltern, die sich nicht mit den Apps ihrer Kinder beschäftigen wollen. Es entlastet Schulen, in denen zu wenig Medienkompetenz vermittelt wird. Es wäre ein technisches Feigenblatt, hinter dem digitale Plattformen ihren wahren Kern verstecken können. Friedrich Merz sollte sich nicht fragen, wie man Jugendliche von Social Media fernhält. Er sollte sich fragen, warum Social Media für Jugendliche so gefährlich sein darf. Und er sollte sich fragen, ob es unter Minderjährigen nicht einen noch gefährlicheren Trend als Social Media gibt.
