Der richtige Umgang mit dem Ost-Trotz
Deutsch-deutsche Debatten : Der richtige Umgang mit dem Ost-Trotz
Zwischen Ost und West ist eine neue Verteilungsdebatte entbrannt. Aber der Hinweis auf Billionentransfers fördert nur, was er beenden soll: ein Gefühl des Trotzes.
Die bevorstehenden Landtagswahlen im Osten scheinen allerorten die Rechenkünste zu fördern. Dabei geht es nicht bloß um die Frage, welche Kleinparteien ins Parlament von Sachsen-Anhalt einziehen müssen, um eine absolute Mandatsmehrheit für die AfD zu verhindern. Nachgerechnet wird jetzt auch, wie viel Geld seit der Wiedervereinigung von Ost nach West geflossen ist oder noch fließt, inwieweit auch die alte Bundesrepublik von der Erweiterung ihres Staatsgebiets profitierte und ob die Klagen vieler Ostdeutscher über Benachteiligung berechtigt sind oder nicht.
Fest steht, dass die Kaufkraft in Sachsen-Anhalt zwar knapp niedriger liegt als in den übrigen Bundesländern, aber doch höher als in vielen anderen Regionen Europas, vor allem im Süden und Osten. Ermöglicht hat das nicht zuletzt ein finanzieller Nettotransfer von West nach Ost, der nach den Berechnungen des Ifo-Instituts allein in den ersten beiden Jahrzehnten nach der Wende rund 1,6 Billionen Euro........
