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Aus der Wal-Traum

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17.05.2026

Toter Buckelwal : Aus der Wal-Traum

„Chance nicht genutzt“? Der inzwischen tote Buckelwal hatte nie eine, die Rettungsaktion war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Doch das ist nicht der eigentliche Skandal.

Er hätte sinken können, die Wassersäule hinab, bis zum Grund der Nordsee. Für die Bewohner dieser Tiefen wäre er so auf Jahre zur Nahrungsquelle geworden, und für so manchen Bewohner des nahe gelegenen Deutschlands zum Beweis: dass man der miesepetrigen Wissenschaft nicht glauben sollte, sondern lieber von Fachkenntnis unbefleckten Menschen, die einem gestrandeten Wal die Hand auflegen und erklären, seinen Lebenswillen zu spüren. Das Meer hätte das große Tier einfach geschluckt und nichts die Menschen da oben daran gehindert, an der Geschichte von der wunderbaren Walrettung festzuhalten.

Doch die See hat einen Kadaver freigegeben, hat ihn, bevor die Auftrieb gebenden Gase aus dem aufgeblähten Körper wichen, in das flache Gewässer vor einer dänischen Insel gespült, wo sich alle Blicke auf ihn richten konnten. Diejenigen, die jede Regung des noch lebenden Buckelwals passend zu ihrer Erzählung deuteten, an die sie so dringend glauben wollten – Er spürt die Hilfe! Er macht mit! Er winkt mit der Fluke! –, könnten sich jetzt folgender Botschaft des Meeres zuwenden: Ihr Menschen habt euch die Natur mal wieder passend gemacht, zum Gefäß........

© Frankfurter Allgemeine