menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Poldern statt poltern

7 41
04.02.2026

In der fünftgrößten Volkswirtschaft der EU bildet sich eine Regierung ohne Mehrheit im Parlament. Zeigt sich die Opposition konstruktiv, wird es ein interessantes Experiment.

Der „Polder“ ist zurück: die historisch gewachsene Neigung in den Niederlanden, intensiv zu verhandeln, Interessen auszutarieren, alle Gruppen einzubeziehen. So oft wurde der Begriff früher bemüht, dass er beinahe Sprachklischee ist. In den vergangenen Jahren fiel er seltener – Indiz für die Polarisierung, die auch vor den Niederlanden nicht halt gemacht hat.

Doch nun steht das Streben nach Konsens wieder im Mittelpunkt – jedenfalls, wenn es nach der künftigen Minderheitsregierung in der fünftgrößten Volkswirtschaft der EU geht. „Der Polder“ solle wieder zu Ehren kommen, schreiben die drei beteiligten Parteien in ihrer Koalitionsvereinbarung. 52 Mal findet sich darin das Wort „Zusammenarbeit“.

Mit der Rückbesinnung auf die urniederländische Tugend beginnt ein Experiment – ein aus der Not geborenes. Die Wahl im Oktober hatte wieder einmal ein zersplittertes Unterhaus hervorgebracht. Die Linksliberalen als stärkste Partei versammelten nicht mehr als 17 Prozent der Stimmen auf sich. Mehrheitlich stimmten die Niederländer indes aufs Neue liberal-konservativ; nur sind konservative Kabinette kaum mehr möglich, weil rechts außen zwei........

© Frankfurter Allgemeine