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Leben in der automobilen Gesellschaft

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28.01.2026

Es gäbe die Möglichkeit, mit Zahlen zu operieren, um darzustellen, wie sich die automobile Gesellschaft seit meiner Geburt im Jahre 1964 bis heute verändert hat. Es soll aber diesmal ein sehr privater Ausblick sein, der nicht moralisierend damit beginnen soll, dass viel zu viele Menschen mit viel zu vielen Privatwagen unterwegs sind. Ich will lediglich einen Einblick versuchen darauf, wie es ist, in einer Großstadt ohne Auto zu leben und festzustellen, dass es viele andere nicht tun.

In meiner Kindheit habe ich das Innere der Familienkutsche immer als fahrenden Raum betrachtet. Im Kabinenbereich war immer ganz viel Platz. Beinahe so groß, wie im Kinderzimmer selbst. Ich konnte mich ausbreiten, die Rückbank gehörte mir zumeist alleine. Der Wagen rollte wie durch Geisterhand über die Landstraßen der Republik, dabei das Lenkrad fest in Vaters Händen. Vorne Gespräche der Erwachsenen, die oft beschrieben, was sie gerade sahen. Über mir der helle Himmel aus Kunststoff, versehen mit schwarzen Punkten. Eine invertierte Sternenkuppel sozusagen. Akustisch war ein gleichförmiges Rauschen zu hören, welches sich mit den Stimmen der Eltern mischte. So wie im Wohnzimmer mit Legosteinen auf dem Teppich, wenn nebenbei das Radio lief.

Das gab es also alles schon. Ich konnte nicht mehr Zeitzeuge werden, wie die Welt langsam von der Kutsche zum Automobil umsattelte und die alten Kutscher und erfahrenen Spediteure vor diesem Teufelszeug warnten, welches viel zu schnell fuhr und schreckliche Geräusche machte, die aus der Hölle und dem Ungeist des ungezügelten Fortschritts kamen.

Die einzige Alternative zum eigenen Auto war ein nächstes Auto. Immerhin das Mittel, um damit in den verdienten Jahresurlaub zu fahren und dabei den halben Hausstand mit sich zu führen. Letztlich sollte man es am Urlaubsort genauso kommod und........

© Die Kolumnisten