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Corto Maltese – ZACKs stiller Held

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09.06.2026

An regnerischen Tagen stöbere ich mitunter in den Comics meiner Kindheit und Jugend, die bei mir 3 Regalreihen füllen. Also den Comics, die diverse Umzüge und durch Wasserrohrbrüche verursachte Schäden überlebt haben. Fronleichnam – für Nicht-Katholiken an dieser Stelle kurz erklärt: das sog. Hochfest des Leibes und Blutes Christi, das auf eine Vison der heiligen Juliana von Lüttich (13. Jhrd.) zurückgeht– war wettertechnisch recht durchwachsen, weshalb ich den ursprünglich geplanten Spaziergang durchs Siebengebirge verwarf und mich stattdessen dem Regal mit den Comics näherte und wahllos eine ältere Ausgabe des Magazins ZACK herauszog, in dem unter anderem die Fortsetzungsgeschichte Corto Maltese: Südseeballade von Hugo Pratt abgedruckt ist.

Sofort poppten Erinnerungen auf: Rasen des Nachbarn gemäht, den Lohn (3 Mark) hälftig für Colafläschchen & Lakritz und die neueste Ausgabe ZACK verausgabt. Zu Hause im Heft geblättert: Mit Bruno Brazil und Luc Orient gestartet, um mich dann über Leutnant Blueberry und Valerian zu Mick Tangy vorzuarbeiten. Das Beste hob ich mir für den Schluss auf: Corto Maltese.

Der Fin de Siècle-Globetrotter ist kein Held, der einen bestimmten Ort sucht. Er bleibt unterwegs, folgt dem Horizont, verschwindet nach jedem Abenteuer wieder hinter der nächsten Küstenlinie. Diese Unrast macht ihn bis heute einzigartig. Grund genug, einen Blick auf die Figur und ihren Schöpfer zu werfen. Beginnen wir mit dem kreativen Kopf der Reihe:

Als gute Comics noch Comics, und nicht Graphic Novel, hießen

Hugo Pratt (eigentlich: Ugo Eugenio Prat) wurde 1927 im italienischen Rimini geboren und wuchs in Venedig auf – einer Stadt, die mit ihren Häfen, Seefahrern und Geschichten aus aller Welt kaum passender zu seinem späteren Werk hätte sein können. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs prägten ihn früh. Nach dessen Ende arbeitete er zunächst als Comiczeichner in Italien, bevor er mehrere Jahre nach Buenos Aires übersiedelte. Dort entwickelte er gemeinsam mit dem Autor Héctor Germán Oesterheld seinen unverwechselbaren Stil weiter.

Pratt war Zeit seines Lebens ein Reisender. Er lebte und arbeitete unter anderem in Argentinien, England, Frankreich und der Schweiz, bereiste Afrika und Südamerika und sammelte historische Stoffe mit der Neugier eines Abenteurers. Viele seiner Geschichten speisen sich aus diesen Erfahrungen. 1967 schuf er schließlich mit Corto Maltese jene Figur, die ihn weltberühmt machen sollte: einen Seemann ohne festen Heimathafen, der seinem Schöpfer in vielem erstaunlich ähnlich war.

Pratt starb 1995 in Lausanne. Sein Werk gilt........

© Die Kolumnisten