Warum sterben nur die Guten jung?
Als Kurt Cobain 1994 starb, erfand man den Begriff des „Club 27“, da es das Alter war, bei dem er und einige seiner Sängerkollegen eine Generation davor ihr Ende fanden, gerade diejenigen, die man als besonders ikonisch empfunden hatte: Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison. Als Amy Winehouse im selben Alter 2011 starb und das in ähnlichen Umständen, wie Missbrauch von Alkohol und/oder Drogen, verfestigte sich dieser Ausdruck. Mit 27 ist man als Sänger ja nun nicht gerade am Ende der Fähigkeiten angelangt, und überhaupt ist dieses Alter nicht eines, das man als fortgeschritten empfindet.
James Dean, der 1955 mit 24 Jahren starb, hatte nach gerade drei Filmen Hollywood erschüttert. Sein intensives Spiel, sein Image als „Rebel Without a Cause“ und auch sein dramatischer Tod im Wrack seines Porsches – perfekte Ingredienzen, um ihm den Status als junggebliebene Legende zu verschaffen.
Ich kann mich an einen Backfischroman der Jahrhundertwende um 1900 erinnern, in welchem die jüngere Schwester der Protagonistin tragisch einer Krankheit erlag. Dieser Charakter blieb mir im Gedächtnis (ich war vielleicht 12 Jahre alt) wie eine ätherische Figur im Weiß des Nachthemds, unschuldig und von einer ethischen Perfektion, dass dieser Spruch vom Guten der jung stirbt, entweder explizit fiel, oder ein Topos war, den ich sofort so begriff oder schon kannte.
Man kann sich dieser Vorstellung irgendwie kaum entziehen, dass so etwas Gutes und Perfektes so unwirklich erscheint, dass die Unwirklichkeit verwirklicht wird, also es dann auch recht schnell stirbt. Ein Topos, der so alt ist, dass er mindestens auf den frührömischen Dichter Plautus zurückzuführen ist, in dessen Spiel „Die Bacchides“ der Satz fällt: „quem di diligunt adulescens moritur“ – den die Götter lieben, der stirbt jung. Und die Götter lieben sicher das Perfekte, vielleicht auch das Unschuldige, und so wollen sie den Verfall, den das Leben mit sich bringt durch das abrupte Ausscheiden daraus unterbrechen.
Der Schmutz des Lebens
Das Sterben als Rettung und Konservierung; und das Leben als etwas, das voller Schmutz nur darauf lauert, uns zu besudeln. Irgendwo sehr zynisch, aber irgendwo auch ein bisschen wahr. Die Mitglieder des Clubs 27 hinterlässt konservierende Aufnahmen ihrer Stimmen und Gesichter, als sie noch jung und schön waren.
Greta Garbo hat sich – so nimmt man an – aus genau diesem Grund mit 36 Jahren aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Sie wollte das Ikonische, das sie darstellte, nicht durch die Realität des Alterns stören. Sie war die Garbo, und das konnte sie nur mit dem Glow und der atemberaubenden Schönheit ihres noch jungen Gesichtes sein.
Es geht hier also vor allem um eine äußerliche Perfektion und ein ästhetisches „Gutsein“. Und natürlich spielt das eine Rolle, auch wenn man bei den genannten Sängerstars und auch bei James Dean ganz........
